Dietrich Spitta

Die Staatsidee Wilhelm von Humboldts

Cover: Die Staatsidee Wilhelm von Humboldts
Duncker und Humblot Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783428114573
Broschiert, 330 Seiten, 79,80 EUR

Klappentext

Wilhelm Humboldts grundlegende politische Ideen, die er als preußischer Staatsmann entwickelt, aber selbst nicht systematisch dargestellt hat, sind bisher wenig bekannt. Denn es gibt bisher von seiner Staatsidee keine zusammenfassende Darstellung. Berühmt, aber inhaltlich wenig beachtet, ist seine Jugendschrift über die Grenzen der Wirksamkeit des Staates. Darin behandelt er das aktuelle Thema der Begrenzung der Staatsmacht und der Selbstverwaltung des geistigen und wirtschaftlichen Lebens. Erfüllt von der tiefsten Achtung vor der menschlichen Individualität ging es ihm darum, Freiheitsräume für die Entwicklung und Entfaltung der Menschen in ihrer individuellen Mannigfaltigkeit zu schaffen. Von dieser Schrift wird behauptet, Humboldt habe später seine Jugendideen aufgegeben und als preußischer Staatsmann diesen zuwider gehandelt. Spitta weist nach, daß diese Meinung unzutreffend ist. Im Gegenteil: Als Staatsmann versuchte Humboldt, seine Ideen über die Grenzen des Staates so weit wie möglich zu verwirklichen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2005

Michael Pawlik präsentiert den frühesten deutschen Verfechter einer "konsequent liberalen Staatsauffassung" - nicht Kant war's, sondern Wilhelm Humboldt, der 1792 eine Staatstheorie zu Papier brachte, die allerdings erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde und deshalb nie wirklich ins Bewusstsein der Ideengeschichte rückte. Dietrich Spittas Studie sucht diesem Umstand ein Ende zu bereiten, und Pawlik empfiehlt ihre Lektüre: Der Leser könne nämlich erfahren, "wie vornehm der Liberalismus sein konnte, bevor er in die Hände kruder Nutzenmaximierer und politischer Hampelmänner fiel". Schade findet er allerdings, dass der Autor Humboldt quasi vor sich selbst in Schutz nimmt, indem er seine Lehren als sozialer - sozialdemokratischer, meint Pawlik - charakterisiert, als sie waren. In Wirklichkeit habe Humboldt nämlich tatsächlich die Aufgabe des Staates ganz auf die Gewährleistung von Sicherheit - als Grundlage von Freiheit, also der Möglichkeit des Einzelnen, seine Anlagen zu entwickeln - beschränken wollen, während er jegliches System der Sozialfürsorge als Erziehung zur Unselbstständigkeit (also dem Gegenteil von Selbstbestimmung) ablehnte, und zwar strikt. Das jedoch, argumentiert Pawlik, ist gar nicht das Problem der Humboldtschen Lehre - was ihr in ihrer Betonung der menschlichen Natur fehlt, sei vielmehr eine Vorstellung von vernunftgemäßer Gestaltung des freiheitlichen Staates. Das, so der Rezensent, kommt in Spittas Interpretation zu kurz, tritt dem Leser aber dennoch entgegen.

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