In den letzten 75 Jahren erlebte Deutschland zahlreiche Systemwechel: Weimarer Republik, Drittes Reich, Besatzungszeit, Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Demokratische Republik, Wiedervereinigung, Europäische Union. Wie spielten sich diese Umbrüche in der Rechtsordnung ab? Wie erlebte das der Einzelne? Wie entwickelten sich nach dem Zusammenbruch von Nationalsozialismus und DDR Recht und Gerechtigkeit? Wo stehen sie in Spannung zueinander? Wo haben wir Recht und Gerechtigkeit noch nicht erreicht? Uwe Wesel geht diesen Fragen in seinem Essay nach. Anschaulich erfährt der Leser, welcher Weg zurückgelegt werden musste, welche Personen und Ideen wirkten und wie es einzelne traf, um Recht, Gerechtigkeit, sozialen und privaten Schutz nach heutigem Stand zu erreichen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Für Michael Stolleis ist Uwe Wesel, Rechtshistoriker aus Berlin, die richtige Person für eine deutsche Rechtsgeschichte seit 1918. Versiert genug - er verfasste die "Geschichte des Rechts" - und klug, freut sich der Rezensent. Wesel schreibt seine kleine deutsche Rechtsgeschichte "in großen Bögen", behauptet Stolleis, und stütze sie dann durch herausragende Einzelfälle ab. Beginnend mit der Novemberrevolution 1918 und der Weimarer Verfassung erörtere Wesel die rechtsphilosophische Debatte jener Zeit und die dahinterstehenden Gerechtigkeitskonzepte und skizziere dann den Weg in einen Unrechtsstaat. Natürlich hätte man mehr über den Ausschluss von Juden aus den deutschen Rechtsschutzversicherungen schreiben können, moniert Stolleis und zeigt sich zugleich versöhnlich: das Buch ist aus Anlass des 100. Geburtstags einer der großen Rechtsschutzversicherungen entstanden. Erstaunlich mild auch richtet Wesel über die DDR-Justiz, wundert sich Stolleis, da wäre öfter mal von "Vereinfachung" statt "Beschneidung elementarer Rechte" die Rede. Die Rechtsgeschichte der Bundesrepublik dagegen lese sich wie eine Erfolgsgeschichte: eine zwar komplexe und teure, aber funktionierende Rechtsordnung.
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