Mit 6 Bildtafeln. Die Endphase der Weimarer Republik bildet den Rahmen der vorliegenden Arbeit. Im Mittelpunkt steht der "Preußenschlag" - die Absetzung der geschäftsführenden Regierung Braun am 20. Juli 1932 durch die Reichsregierung unter dem Reichskanzler von Papen als Reichskommissar - und der sich daran entfachende Streit "Preußen contra Reich" vor dem Staatsgerichtshof. In dieser Phase tritt Carl Schmitt erstmals in das Blickfeld der politischen Öffentlichkeit: Er übernimmt für die Reichsregierung die Prozessvertretung. Damit empfiehlt er sich dem Planungsstab des Reichswehrministeriums, der diese Hinzuziehung initiiert hatte, für höhere Aufgaben. Gabriel Seiberth untersucht, gestützt auf neuere Forschungserkenntnisse sowie durch Einsichtnahme in den persönlichen Nachlass Carl Schmitts, die Rolle des umstrittenen Staatsrechtlers in dem politischen Kräftefeld der Weimarer Reichskrise.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.01.2002
Scharfe Kritik übt Thomas Meyer an der Monografie von Gabriel Seiberth. Der Autor, der in seinem Stolz auf die von ihm geleistete Arbeit relativ unbescheiden wirke, habe grobe Lücken in seiner Argumentation. Ergebnisse neuerer Forschung würden bei ihm teils überhaupt nicht berücksichtigt und teils undifferenziert in Fußnoten abgehandelt. Somit wirke auch die Schlussfolgerung aus dieser (wenn auch "sehr gut formulierten") Darstellung unglaubwürdig: dass nämlich Schmitt eine von Weimars letzten Chancen vor dem Untergang gewesen sei. Das vernichtende Fazit des Rezensenten lautet dementsprechend: "geschickt montiert, doch allzu offensichtlich in ahistorischer Absicht."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2001
Für Paul Noack trägt diese "verdienstvolle" Studie mit dazu bei, "die Nebel über der Lebensgeschichte Carl Schmitts zu lichten." Der Rezensent lobt das "minutiöse" Quellenstudium des Autors, das ihn die nicht eben populäre Schlussfolgerung, Schmitt sei mitnichten ein Mann Franz von Papens und die Preußen-Aktion der Reichsregierung auch keine Vorstufe zur Machtergreifung Hitlers gewesen, plausibel erscheinen lässt. Dass es sich, wie Noack anmerkt, auch bei Seiberth "meist um Indizienbeweise" handelt, schmälert das Verdienst des Buches indes kaum: "Schmitts 'Feinde' werden sich von nun an anstrengen müssen."
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