Dirk von Petersdorff

Gewittergäste

Novelle
Cover: Gewittergäste
C.H. Beck Verlag, München 2022
ISBN 9783406792281
Gebunden, 124 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Was ein harmonisches Abendessen werden sollte, läuft völlig aus dem Ruder: Jenny und Friedrich, aus dem Westen stammend, im Osten lebend, haben Bekannte aus Brandenburg eingeladen. Mit einer überraschend explosiven Mischung aus schwülem Wetter, kratzbürstigen Gästen und lärmenden NATO-Hubschraubern hinterlässt dieser Abend bei jedem seine Spuren. Es soll ein anregender, harmonischer Abend werden. Jenny und Friedrich, ein Ehepaar mittleren Alters aus Westdeutschland, das seit einem Jahrzehnt mit den beiden Söhnen in Ostdeutschland lebt, haben Arbeitskollegen Jennys, Rolf und Beate aus Brandenburg, zum Essen eingeladen. Außerdem hat sich Tine, eine ehemalige Freundin Friedrichs, angekündigt. Aber nicht nur das Wetter - ein schweres Gewitter zieht auf - sorgt für erhebliche Unruhe. In der Nähe findet eine NATO-Übung statt und ein ehemaliger Sowjetsoldat, der einem Kameraden nachtrauert, soll sich hier herumtreiben. Vom ersten Moment an bringen Rolf und Beate insbesondere Jenny aus der Fasson und Friedrich in Verlegenheit, sarkastisch, gekränkt, angriffslustig. Noch immer unverstandene west-östliche Seelenlagen brechen sich Bahn, die attraktive Tine, plötzliche Besucher und das tobende Gewitter sorgen für zusätzliche Spannung, und dann gerät auch noch ein Kampfhubschrauber ins Trudeln.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.09.2022

Rezensent Hilmar Klute möchte das Zuviel an katastrophischen Motiven und Themen in Dirk von Petersdorffs Novelle nicht dem Autor anlasten. Im Gegenteil fängt der Dichter in seinem Prosastück die aktuelle Lage genau ein, findet er. Darüber hinaus gelingt Petersdorff laut Klute eine "west-/ostdeutsche Milieustudie" im Angesicht aufziehender Krisen, in der alle Erwartungen des Schlimmen erfüllt, ja noch übertroffen werden, so der Rezensent. Wie "virtuos" der Autor Ost-West-Animositäten, Querdenker-Phrasen, Verschwörungstheorien, Anzeichen für den Klimawandel und allerhand familiäre Krisen auf knappem Raum verhandelt und die damit verbundene Stimmung vermittelt, findet Klute lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2022

Rezensent Christian Metz findet Dirk von Petersdorffs Novelle schön in ihrer Bissigkeit und Präzision. Wie der Autor fünf Gäste zu einem Abendessen zusammenkommen lässt, die von Metz längst geahnte Eskalation langsam einleitet, allerhand Nebenfiguren (Pizzabote, US-Soldaten) auftreten lässt und das deutsche Doppelhaus-Milieu "gnadenlos" vorführt, scheint Metz unterhaltsam und in seinem unerbittlichen Realismus auch shocking.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.08.2022

Rezensent Rainer Moritz fühlt sich wie unter einer "galaktischen Dusche" in diesem Kammerstück des Lyrikers und Literaturwissenschaftlers Dirk von Petersdorff. Dem Kritiker kommt unweigerlich Yasmina Reza in den Sinn, wenn er hier einen schwülen Sommerabend kurz vor dem Gewitter in Brandenburg mit dem Heidelberger Ehepaar Jenny und Friedrich und deren ostdeutschen Bekannten Beate und Rolf verbringt. Rolf, ein Urostler, schimpft über "Demokratur", syrische Flüchtlinge und Westdeutsche, zunehmend wird es grotesker, wenn etwa ein syrischer Pizzabote und ein russischer Soldat auftauchen, resümiert Moritz. Neu ist das alles nicht, aber so witzig, rasant und "schräg", dass sich der Kritiker bestens unterhalten fühlt.

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