Was geschieht mit einem Liebespaar, wenn die Diagnose Krebs die tödlichste aller Scheidemauern aufrichtet: die zwischen Gerade-noch-Lebenden und Jetzt-noch-nicht-Sterbenden? Welcher gemeinsame Raum bleibt? Dörthe Kaiser, die Witwe des deutschen Soziologen Karl Otto Hondrich (1937-2007), erzählt von der Zeit ihres Zusammenlebens: vom Einbruch der Diagnose bis zum Tod ihres Mannes. Im Rückblick lotet sie den Raum aus, den die Krankheit lässt, und die Leere, die nach dem Abschied bleibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2010
Ein stiller Rest Privatheit bleibt, das stellt Lena Bopp nach dieser irritierenden Lektüre über das denkbar Privateste, das hier öffentlich wird, das Sterben nämlich, für sich fest. Zuvor ist sie mit der Autorin Dörthe Kaiser durch einen Albtraum gegangen, der sich von der Krebsdiagnose ihres Mannes, des Soziologen Karl Otto Hondrich, bis zu dessen Tod drei Jahre später und noch darüber hinaus dehnt. Beeindruckt ist Bopp nicht nur von der schonungslosen Offenheit, mit der Kaiser von der Chemotherapie ihres Mannes und den privaten Enttäuschungen im Zusammenhang mit der Krankheit spricht, sondern auch von der zögerlichen Erzählweise. Innere Konflikte und Schuldgefühle spart die Autorin nicht aus. Genau wie die beigegebenen Texte Hondrichs, die den Band zu einem Zwiegespräch erweitern, empfindet Bopp das als "großes Glück".
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