In den 1990er Jahren prägte Samuel Huntington den Begriff des "Clash of Civilizations". Die Welt werde gespalten durch kulturelle Unterschiede und Ideologien. Der französische Politologe Dominique Moisi dagegen konstatiert in seinem Buch einen weltweiten Kampf der Emotionen. Während die Amerikaner und die Europäer um ihre nationale Identität ringen und - vor allem seit dem 11. September 2001 - in einer Kultur der Angst leben, ist die muslimische Welt gefangen in einem Gefühl der Beschämung. Konfrontiert mit der westlichen Moderne, steckt der Islam in einer tiefen Krise, sieht sich als Hauptverlierer der Globalisierung. Diese Kultur der Demütigung aber verwandelt sich zunehmend in eine Kultur des Hasses. Asien dagegen ist erfüllt von Hoffnung und Optimismus. Diese drei grundverschiedenen Gefühle treffen mit großer Wucht aufeinander und prägen die Weltpolitik stärker als kulturelle Unterschiede.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.01.2010
Der hier rezensierende Politikwissenschaftler Christian Hacke zeigt sich nicht sonderlich überzeugt von Dominique Moisis "Kampf der Emotionen". Ohne näher auf den Inhalt des Buches einzugehen, referiert Hacke höchst kursorisch die von Mois aufgespannte Weltkarte der Gefühle: Der Westen wird von Angst dominiert, die arabische Welt vom Gefühl der Demütigung und Asien von der Hoffnung. Hacke führt dagegen Platon ins Feld und Studien von Neurowissenschaftlern, die zeigten, wie "umsichtig" Menschen in komplizierten Lagen handeln. Schließlich merkt er noch an, dass Moisi einige "anregende Beobachtungen" macht, aber die Hackes Erwatungen nicht befriedigen konnte.
Können Kontinente fühlen? Rezensentin Ute Frevert meldet Zweifel an Dominique Moisis Versuch an, die Welt emotionale zu kartografieren. In seinem Gegenbuch zu Samuel Huntington "Kampf der Kulturen" sieht der französische Politikwissenschaftler das Problem der derzeitigen Weltlage in einem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Gühlswelten. In Europa und den USA herrscht die Angst, in der arabischen Welt die Demütigung, in Asien die Hoffnung. Gar nicht leugnen will Frevert, dass es kollektive Emotionen gibt, Mentalitäten auch, aber sie hätte es von Moisi doch interessanter gefunden, wenn er statt vager Zuschreibungen Ross und Reiter nennen würde, konkrete Debatten und Kontexte. So erscheinen ihr mit den Emotionen nur neue Etikette auf alte Differenzbestimmungen aufgeklebt.
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