Donna J. Haraway

Unruhig bleiben

Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän
Cover: Unruhig bleiben
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2018
ISBN 9783593508283
Gebunden, 350 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Karin Harasser. Was kommt nach dem Menschen? In Donna Haraways Büchern wimmelt es von Cyborgs, Primaten, Hunden und Tauben. Die Grenze zwischen Mensch und Maschine sowie zwischen Mensch und Tier verschwimmt. In ihrem neuen großen Buch ruft die feministische Theoretikerin das Zeitalter des Chthuluzän aus, das eben nicht - wie im Anthropozän - den Menschen ins Zentrum des Denkens und der Geschichte stellt, sondern das Leben anderer Arten und Kreaturen, seien es Oktopusse, Korallen oder Spinnen. Und nicht nur das: Es sollen neue Beziehungen entstehen, quer zu Vorstellungen biologischer Verwandtschaft. Im Zuge dessen setzt sich Haraway auch mit dem Klimawandel auseinander.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2018

Manuela Lenzen findet den Ausgangspunkt von Donna J. Haraways komplexem Gedankengeflecht nachvollziehbar: Wachstum und Ausbeutung müssen ein Ende haben. Dass der Band nicht nur Klarheit schafft, sondern Haraways Fantasien einer Vermischung zwischen Mensch, Tier und Pflanze auch gehörig Verwirrung stiften, gibt Lenzen zu. Anregend findet sie die Überlegungen der Wissenschafts- und Geschlechterforscherin aber allemal. Ein Aufruf zur Unruhe, meint Lenzen, der Sci-Fi, Wissenschaft und Spekulation metaphernreich miteinander verschmelzen lässt, über Forschungsergebnisse und Projekte informiert und eine gewagte Zukunftsvision davon entwirft, wie der Mensch sich zur Errettung der Erde mit seinen Mitwesen vernetzen könnte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.06.2018

Rezensentin Marie Schmidt bekommt eine Menge Anregungen mit Donna J. Haraways Essays. Fortpflanzung aufzuwerten, indem wir sie sparsam betreiben, ist so ein Gedanke. Alles andere als Ganzheitlichkeitsesoterik, meint Schmidt, denn die Autorin ist Materialistin genug. Dass Haraway "unordentlich" schreibt, obsessiv und ein bisschen verrückt, Essayistisches mit Erzählerischem mischt und neologistische Fachtermini streut wie Zucker, ändert für Schmidt nichts am Ertrag der Lektüre: Lauter inspirierende Ideen und Bilder einer Gegenaufklärung gegen das anthropozentrische Denken des Westens.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.05.2018

Auch wenn sich Rezensent Frederic Jage-Bowler anscheinend nicht ganz sicher ist, wohin Donna Haraway mit ihrem neuen Buch zielt, hat es ihn zumindest nicht schlecht unterhalten. Denn er erwähnt, dass dem Erfindungsreichtum der bekannten radikalen Feministin Spitzfindigkeiten wie das Chthuluzän entspringen, das Zeitalter nach der Menschheit, und er bescheinigt ihr einen Witz und eine Sprachgewalt, die in der restlichen "apokalyptischen Fachliteratur des Anthropozäns" selten anzutreffen seien. Dieser rechnet er denn auch "Unruhig bleiben" zu. Haraway will seiner Meinung nach aber eigentlich alles zugleich: Verantwortliches menschliches Handeln bei gleichzeitiger Demut, die Verwandtschaft der Arten, die Umweltkatastrophe und die Überbevölkerung seien nur einige ihrer Themen. Diese Vielfalt geht in den Augen Jage-Bowlers auf Kosten der Prägnanz, dafür scheint er Haraway aber eine ungemeine Spielfreude zuzugestehen.

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