Die neuronale Verknüpfung von Mensch und Maschine ist die Voraussetzung dafür, dass ein hochkomplexer Werkzeuggebrauch möglich ist. Weitere psychologische Mechanismen helfen zu erklären, weshalb das Motorrad für manche eine persönliche Entwicklung anregen kann. Das Motorrad schafft einen psychologischen Raum, der Motive, Bedürfnisse und Anforderungsstrukturen beinhaltet. Es kanalisiert auf diese Weise die Wahrnehmung, indem es nicht motorradrelevante Information ausfiltert und Handlungen motiviert, die mit dem Gegenstand zu tun haben. Die psychologische Matrix des Motorradfahrers strebt danach, sich im Sinne einer human-technischen Symbiose zu perfektionieren und gehorcht eigenen Gesetzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2011
Ernst Horst sieht mit Hansjörg Znojs Buch all die Leser angesprochen, die sich für die besondere Psychologie des Risikoliebenden, hier des Motorradfahrers, und für das interessante Verhältnis von "Mensch und Maschine" im Ernst Jüngerschen Sinne interessieren. Der Autor, Extraordinarius für Klinische Psychologie in Bern und selbst Motorradfahrer, nimmt hier den eingefleischten "Straßenfahrer" in den Blick, wobei er zum Bedauern des Rezensenten allerdings weibliche Motorradbegeisterte genauso ausspart wie soziologische Besonderheiten der Bikerszene. Gestalt gewinnt dagegen für Horst die seltsame, schon bei Jünger beschriebene "Symbiose" von "Mensch und Maschine", die den Motorradfahrer als eine Art "Zentaur" erscheinen lassen, wie auch das bei Znoj als "mechanisches Pferd" gezeichnete Motorrad sich ihm einprägt. Die fachliche Aufmerksamkeit des Autors gilt dabei dem "flow" des Geschwindigkeitsrauschs, wie der Rezensent feststellt, und hier hört er schon beinah buddhistische Töne heraus.
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