Dorothee Kimmich

Leeres Land

Niemandsländer in der Literatur
Cover: Leeres Land
Konstanz University Press, Göttingen 2021
ISBN 9783835391345
Gebunden, 221 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Wem gehören Niemandsländer? Bei der Debatte um individuelles, gemeinschaftliches oder staatliches Eigentum an Grund und Boden konkurrieren seit der Antike theologische, philosophische, juristische und soziologische Argumente. Auch in der Literatur sind Niemandsländer ein Modell, Machtverhältnisse, Legitimation von Besitz, Autonomie und Zugehörigkeit zu reflektieren. Niemandsländer sind Räume begrenzter Staatlichkeit und damit nur schwach oder gar nicht reguliert. Sie gelten den einen als gefährliche Landstriche, den anderen als Gebiete, die man ungestraft erobern darf. Verlassene Gegenden, Stadtbrachen, verwilderte Gärten und aufgelassene Industriegelände werden als Niemandsland bezeichnet und damit zu faszinierenden Orten. Sie bergen ein Risiko, wecken aber auch Neugierde und Kreativität, ziehen Flaneure, spielende Kinder, Verliebte, Dealer, Diebe, Künstler und Phantasten an und erlauben probeweise das Aussetzen der Regeln des Alltags.
Im ersten Teil ihres neuen Buches steckt Dorothee Kimmich das kulturtheoretische Feld ab, in dem über Eigentumstheorien, Kolonialgeschichte, Pufferzonen, Bannmeilen, Kontaktzonen und Freiräume verhandelt wird. In einem zweiten Teil zeigen die Analysen literarischer Texte - u. a. von Johann Wolfgang von Goethe, Adalbert Stifter, Robert Musil, Franz Kafka, Walter Benjamin, Oskar Loerke, Michel Leiris und Chinua Achebe -, wie Erzählungen die komplexen Verhältnisse um Grund und Boden in Narrative von Heimat und Auswanderung, Zugehörigkeit und Fremde, Imagination und Spiel, Grenzübertritt und Gefangenschaft übersetzen. Sie gestalten den prekären Status, den oft widersprüchlichen Charakter, die diffusen Eigenschaften und widerstrebenden Gefühle, die zum Niemandsland gehören.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2021

Rezensent Jochen Schimmang lässt sich von der Kulturwissenschaftlerin Dorothee Kimmich durch die Niemandsländer der Literatur führen, bei Goethe, Keller, Stifter, Kracauer und Kafka etwa, dessen Odradek die Autorin laut Schimmang im Rückgriff auf ihren Essay "Lebendige Dinge in der Moderne" als Schöpfer des Niemandslandes schlechthin ausweist, wie der Rezensent erklärt. Für Schimmang eine beglückende Lektüre, und nicht nur, da er in den erkundeten Niemandsländern, ihren Motiven und Figuren ein veritables Gegengift gegen Ideologien erkennt.
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