Douglas Coupland

Girlfriend in a coma

Roman
Cover: Girlfriend in a coma
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1999
ISBN 9783455011746
gebunden, 351 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Couplands neuester Coup zwischen Alltag und Apolalypse spielt hemmungslos mit den Endzeitängsten des ausgehenden Jahrhunderts; er kramt in der Moralkiste der sechziger Jahre und fördert die Lösung aller Probleme aus dem Müll der Postmoderne.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.1999

In einer Sammelrezension bespricht Volker Weidermann drei Bücher, die sich mit Weltuntergangsszenarien befassen - oder dem Gegenteil davon.
1) Michel Houellebecq "Elementarteilchen" (DuMont)
Hier hat der Autor ein "streckenweise brilliantes Buch" vorgelegt, findet Weidermann, der Houellebecq außerdem bescheinigt, Leere und Sehnsucht im Leben der beiden Protagonisten mit "außergewöhnlicher Kraft und Eindringlichkeit" geschildert zu haben. Dieses Lob klingt letztlich aber nach nicht viel mehr als einer Höflichkeitsformel, denn nur einen Absatz später scheut sich Weidermann nicht, Houellebecq in ideologischer Hinsicht bei den Nationalsozialisten einzureihen. Wie diese wolle Houellebecq "Weltbrandstifter" sein. Da fragt sich der Leser denn doch, ob es nicht Weidermann ist, der ein wenig laut auf die Pauke haut. Denn letztlich ist das, was er Houellebecq in erster Linie vorwirft, so dramatisch nicht: Nämlich dass der Autor das Leiden seiner Protagonisten "zum Leiden der ganzen westlichen Welt" verallgemeinert.
2) Douglas Coupland "Girlfriend in a coma" (Hoffmann & Campe)
Ganz begeistert ist Volker Weidermann hingegen von Couplands Buch: Es sei - obwohl moralisch - "selten peinlich [sic!] und politisch nie beunruhigend". Bei der Schilderung der Sinnleere in seiner Generation zeige Coupland, dass er sie - anders als Houellebecq - gut kenne. Der Autor mache auch nicht den Fehler, "von zwei durchgeknallten Außenseitertypen" auf die übrige Menschheit zu schließen. Bei Coupland gibt es einen Engel, der als eine Art "deus ex machina" den Lethargikern Beine und ihnen klar macht, dass sie die Welt selbst gestalten können. Weidermann sieht in Couplands Erzählung "eine Art revolutionsromantischen Weckruf für seine Generation", der daran erinnere, dasss man - mit ein wenig Feuer unter dem Hintern - auch als Vierzigjähriger noch die Welt verändern kann.
3) Ludger Lütkehaus "Nichts" (Haffmanns Verlag)
Kein Urteil fällt Volker Weidermann über Lütkehaus` "Nichts". Vielmehr denkt er laut darüber nach, was dieser wohl über die Untergangsszenarien von Coupland, Houellebecq und Co. sagen würde. Lütkehaus sei nämlich kein Anhänger solcher Ideen. Sinnsuche kann auch entspannend sein, interpretiert Weidermann, der in "Nichts" immerhin ein "fulminantes Philosophiegeschichtswerk" sieht. Mit Lütkehaus` Ideen, dass Nihilismus die Antwort auf die Angst vor dem Untergang sein könne (da der Nihilist sich nun einmal an gar nichts bindet, nicht einmal an das Leben), scheint der Rezensent ohne weiteren Kommentar einverstanden zu sein.
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