Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum. Mit einem Nachwort von Gerald L. Early. Die Südstaaten der USA in den 1920er Jahren. Als Ludlow Washington fünf Jahre alt ist, geben ihn seine Eltern in ein Heim für blinde schwarze Kinder. Ludlow versteht nicht, warum er und die anderen von den weißen Erziehern so diskriminiert werden - "Hautfarbe" ist für den blinden Jungen etwas Unvorstellbares. Unterrichtet werden die Kinder nur in Musik, die scheinbar die einzige Möglichkeit für sie ist, Geld zu verdienen. Ludlow erweist sich als äußerst begabter Jazzmusiker und wird mit sechzehn von einem Bandleader freigekauft. Doch selbst als sein Ruhm so groß ist, dass er endlich eine eigenständige Jazzkarriere verfolgen kann, die ihn bis nach New York führt - dem Rassismus, der die Gesellschaft bis in ihre kleinsten Verästelungen durchzieht, ist kaum zu entkommen. Mit der Figur des begnadeten blinden Jazzmusikers Ludlow Washington verdeutlicht William Melvin Kelley schmerzhaft und unmittelbar, wie blind Rassismus auch die vermeintlich Sehenden macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2022
Rezensentin Katharina Teutsch stößt auf einen Schatz mit dem zweiten ins Deutsche übertragenen Roman von William Melvin Kelley. Der Roman ist für die Kritikerin so viel mehr als die Geschichte eines schwarzen, im Waisenhaus aufgewachsenen Jungen, der es zwar zum Jazz-Musiker in New York schafft, aber immer wieder Kränkungen erlebt. Teutsch liest hier neben einer Entwicklungsgeschichte des Jazz auch ein Dokument der Emanzipation afroamerikanischer Literatur. Darüber hinaus handelt der Roman von Rassismus in all seinen Spielarten, fährt die Rezensentin fort: Es geht etwa um die Diskriminierung von Schwarzen verschiedener Herkunft untereinander, aber auch um die Frage nach der Bewertung des neu erwachten Interesses der Weißen an schwarzer Kultur, resümiert Teutsch. Wie Kelley all das in einen so rhythmischen wie fesselnden Text packt, findet die Kritikerin brillant.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.01.2022
So knapp wie begeistert bespricht Rezensentin Dorothea Westphal diesen Roman von William Melvin Kelley. Erzählt wird die Geschichte des schwarzen blinden Jazzmusikers Ludlow Washington, der in den zwanziger Jahren in den Südstaaten im Heim aufwächst, mit Blasmusik beginnt, um nicht betteln zu müssen, entdeckt wird und dennoch weiterhin mit Rassismus und Demütigungen konfrontiert wird, resümiert Westphal. Wie Kelley Jazzgeschichte einflicht, sich in seinen blinden Helden einfühlt und dabei nie "Klischees" bedient, findet die Kritikerin grandios.
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