Aus dem Amerikanischen von Georg Deggerich. Lissabon, 1940: Während Europa im Krieg versinkt, kreuzen sich hier die Wege zweier Paare mit fatalen Konsequenzen. Man wartet auf das nächste Schiff nach Amerika mit Tausenden anderer Flüchtlinge und vertreibt sich die Zeit in Cafés und Bars bei reichlich Absinth: "Das ist das Ende von Europa, deshalb tanzen sie, und auch Lissabon ist das Ende von Europa. Und alles, was Europa darstellt und bedeutet, ist in diesen Zipfel gepresst. Zu viel davon." Anders als seine skeptische Frau Julia ist Pete Winters sofort fasziniert von Iris und Edward Freleng und ihrer glamourösen, freien Lebensart. Aus Faszination wird bald Liebe. Ohne dass er recht weiß, wie ihm geschieht, lässt sich Pete auf eine unmögliche Affäre ein.
Schmonzette statt Tragödie, lautet das vernichtende Urteil von Marko Martin über David Leavitts neuen Roman. Für Martin geht Leavitts Versuch, die erotisch-emotionale Geschichte zweier amerikanischer Paare vor dem Hintergrund der großen Flucht vor den Nazis anno 1940 in Lissabon zu erzählen, daneben. Auf Martin wirkt nur obszön, was auf emotional-erotischer Ebene raffiniert inszeniert scheint, weil die Erinnerung an die Tragik der Emigranten zwar vom Autor evoziert wird, doch schließlich nicht mehr ist als exotische Kulisse.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2015
Rezensent Ernst Osterkamp sagt es klar heraus: Der neue Roman von David Leavitt ist ein Lehrstück zum Schreiben von Bestsellern. Darin kann dem Autor laut Osterkamp niemand was vormachen. Historische Atmo, rätselhafte Charaktere, seelische Konflikte und jede Menge hübsche Accessoires und Einfälle, wie ein Gasmaskenhalter aus Tweed. Fertig ist der pageturner, meint Osterkamp schnippisch. Aber auch mit genügend Achtung, um das Buch wegen seines ironischen Spiels mit Lesererwartungen zu mögen. Ein historischer Roman etwa, wie der Autor mit seinem Quellenanhang glauben machen möchte, ist der Text mitnichten, findet der Rezensent. Und wie Leavitt seine auf der Flucht vor den Nazis Juni 1940 in Lissabon gestrandeten Figuren in einem Reigen sich neu sortieren lässt, hat Osterkamp gefallen. Dass hier eine Menge Staffage aufgefahren wird, um letztlich doch nur ein privates Drama zu erzählen und Historisches und Politisches mit Eleganz auf die Plätze zu verweisen, kann Osterkamp dem Autor aber nicht zur Gänze verzeihen.
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