Aus dem Serbischen von Mascha Dabic. Niemand hat sein Leben akribischer memoriert als seine Mutter. Als sie stirbt, tritt der Sohn ihre Erbschaft als Archivar der Erinnerung an, folgt der Flut der Bilder, die in ihm aufsteigt. Erinnern, das ist bei Dragan Velikic immer an Orte geknüpft, die die Landkarte eines Lebens ergeben. Er ist wieder der Junge, frisch von Belgrad nach Pula gezogen, erkundet die duftenden Innenhöfe, trifft den alten Uhrmacher Maleša, der einst Titos Uhren repariert hat und alle Geschichten kennt - immer begleitet von der rigiden Weltdeutung der Mutter, von der er sich mit jedem Schritt mehr befreit. Dragan Velikics neuer Roman ist eine Hommage an seine Mutter, an ein Land, eine Zeit und Menschen, die es nicht mehr gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2017
Für den Rezensenten Wolfgang Schneider ist dieses Erinnerungsbuch des serbischen Schriftstellers Dragan Velikic nur mit viel Wohlwollen zu genießen. Lesern, die für die jugoslawische und post-jugoslawische Welt und ihre Magie etwas übrig haben, könnten allerdings hinter der etwas spröden, schwermütigen Kost Poesie entdecken, wenn sie Velikics über verschiedene Schicksalsorte nacherzählte Familiengeschichte zu ihrer eigenen Sache machen, meint Schneider, und an dem sprunghaften Reisen dieses Metaphysikers der Erinnerung durch Raum und Zeit Gefallen finden.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…