Drago Jancar

Die Nacht, als ich sie sah

Roman
Cover: Die Nacht, als ich sie sah
Folio Verlag, Wien - Bozen 2015
ISBN 9783852566702
Gebunden, 200 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Slowenischen von Daniela Kocmut und Klaus Detlef Olof. Von der Gier zu leben und dem Verschwinden einer faszinierenden jungen Frau in Zeiten des Krieges. In einer Nacht, kurz nach Neujahr 1944, führt eine Gruppe von Tito-Partisanen Veronika Zarnik und ihren Mann Leo aus ihrem Schloss in Slowenien ab, von da an verlieren sich ihre Spuren. Aus den Erinnerungen von fünf Personen setzt sich das Bild einer schillernden jungen Frau zusammen: Pilotin, Liebhaberin von Papageien, Alligatoren und Pferden. Der Offizier, die Mutter, der deutsche Wehrmachtsarzt, die Haushaltshilfe, der Partisan berichten von einer unbändigen Lebensfreude, die jenseits des politischen Geschehens ein privates Idyll aufrechtzuerhalten sucht. Bis der Strom der Geschichte diese Illusion mit sich fortreißt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2015

Samuel Moser anerkennt die Taktik des Autors Drago Jancar, sein souveränes Spiel mit allen Registern der Erzählkunst. Jancars skizzenhafte Collage über das 1944 von den kommunistischen Partisanen verfolgte Industriellenpaar Leo und Veronika Zarnik ist für ihn ein historischer Stoff, aber kein historischer Roman, da der Autor es auf die Aktualität geschichtlicher Konstanten abgesehen hat, wie Moser meint. In diesem Fall sind es das Fluchtmotiv und das Verschwinden der Zarniks, die den Rezensenten erschaudern lassen, als wäre es eine Geschichte von heute.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.11.2015

Paul Jandl ist dem slowenischen Autor Drago Jancar dankbar, dass er seine Geschichte von Liebe und Hass und vom Untergang Kakaniens nicht als eindeutiges Tableau erzählt. Es passt so viel besser zur Geschichte, findet er. Das tragische Ende einer Amour fou in Titos Reich ist laut Jandl mal Kabinettstück a la Joseph Roth, mal raffinierte Kolportage. Lebendig wird sie für Jandl durch den dauernden Wechsel von Sprachen und Perspektiven, bei dem die Femme fatale genauso zu Wort kommt wie der Partisan oder ein deutscher Wehmachtsarzt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Drago Jancar, bedeutendster slowenischer Autor der Gegenwart, sollte auch hierzulande endlich bekannter werden, fordert Rezensent Karl-Markus Gauß nachdrücklich. Denn der neue Roman "Die Nacht, als ich sah" ist für den Kritiker nicht weniger als ein "Meisterwerk der europäischen Erzählkunst", der im historischen Gewand, kluger Konstruktion und eleganter Sprache moralische Fragen von größter Aktualität verhandelt. In fünf Kapiteln, erzählt von fünf Menschen - darunter ein serbischer Offizier, ein slowenischer Partisane und ein deutscher Arzt der Wehrmacht - liest der Rezensent die tragische zwischen 1937 und 1945 spielende Geschichte der schönen und lebenslustigen Schlossherrin Veronika, deren Schicksal einen alten Mann bis zu seinem Lebensende nicht loslässt - trägt er doch die Schuld an ihrem brutalen Ende. Vor allem imponiert dem Kritiker Jancars ebenso bewegende wie drastische Erzählweise, die sich nicht zuletzt über viele in Slowenien geltende Konventionen hinwegsetze.

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