E.L. Doctorow

Alle Zeit der Welt

Storys
Cover: Alle Zeit der Welt
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2013
ISBN 9783462045192
Gebunden, 352 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Gertraude Krueger und Angela Praesent. E.L. Doctorow gehört zu den ganz Großen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Seine hier gesammelten Erzählungen kreisen um Menschen, die außerhalb der Gesellschaft stehen oder sich im Konflikt mit ihrer Umgebung befinden und zeigen Doctorow in seiner ganzen Meisterschaft. Ein Mann verabschiedet sich am Ende eines ganz normalen Arbeitstages von seiner Upper-Middle-Class-Existenz und beginnt, in demselben wohlhabenden Vorort, in dem er mit seiner Familie lebte, zu betteln und zu plündern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2013

Eigentlich ist E.L. Doctorow hauptsächlich für seine Romane bekannt, in denen er historische Stoffe einer großen Spannbreite erzählt, weiß Lothar Müller. Über die Jahre hat der amerikanische Schriftsteller aber auch Erzählungen geschrieben und einige davon in einer Sammlung veröffentlicht, die jetzt auch auf Deutsch unter dem Titel "Alle Zeit der Welt" vorliegt, berichtet der Rezensent. Wenn ein Autor Romane und Erzählungen schreibt, bietet es sich an, unter die Lupe zu nehmen, wie er mit deren unterschiedlichen Ökonomien umgeht, erklärt Müller. Die gute Erzählung fordert Knappheit und lässt Leerstellen, sie befreit sich von den inneren Organen, von denen der Roman gerade lebt. Von diesem Maßstab ausgehend, finden sich in Doctorows Erzählband sowohl gute als auch schlechte Beispiele, meint der Rezensent. Während der Autor in "Wakefield" einen Stoff von Nathaniel Hawthorne unnötig auswalkt, beschränkt er in "Ein Haus in der Ebene" und "Jolene: Ein Leben" das romanhafte Wuchern gekonnt, lobt Müller.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2013

Oliver Jungen findet kaum genug Worte, um die nun auch auf Deutsch unter dem Titel "Alle Zeit der Welt" vollständig erschienenen Kurzgeschichten des amerikanischen Schriftstellers E. L. Doctorow zu rühmen. Als "Hochgenuss" würdigt er dieses Werk, das die Themen seiner großen Romane - etwa Immigration, Isolation oder den menschlichen Drang nach Aufbau und Vernichtung - in "kostbaren Miniaturen" nachbildet. Und so liest der Kritiker, wie es diesem klugen, aber nie aufdringlich intellektuellen Autor gelingt, mit erzählerischer Detailfreude und "kulturhistorischer Stimmigkeit", zugleich aber sparsamen Mitteln lebensnahe, am Rande der Gesellschaft stehende Figuren zu entwerfen, die den Leser ein Stück ihres Lebens begleiten lassen: Ein amerikanischer Durchschnittsmann etwa, der sich gemeinsam mit einem Waschbären in einer Kammer über der Garage versteckt, um seine Frau und seine Kinder fortan aus der Ferne zu beobachten. Doctorows ebenso feinsinnige wie brillante Kurzgeschichten erfreuen nicht nur, sondern lehren darüber hinaus, wie man sich aus "unbewusst erfüllten" Konventionen befreit, lobt der hingerissene Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.06.2013

Isolation und Verunsicherung und Figuren, die durch alle Netze fallen, begegnet Thomas Hermann in E.L. Doctorows in diesem Band versammelten Erzählungen. Das die zum Teil bereits auf Deutsch veröffentlichten Texte Vereinende hat der Rezensent somit erkannt. Formal sieht Hermann die Geschichten darin vergleichbar, dass sie Leerstellen aufweisen, Momente, da sie den Leser allein lassen mit Fragen zum Fortgang der Handlung. Des Öfteren empfindet der Rezensent Beklemmung und die Nähe von Abgründen. Den Autor Doctorow kennt Hermann nun auch als Meister der kleinen Form.

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