Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2003
Ein "gelehrtes Buch im klassischen, akademischen Stil" sieht Rezensent Michael Mayer in Eberhard Schockenhoffs "Zur Lüge verdammt?". Gegen den von Evolutionsbiologie und Verhaltensforschung, Kulturgeschichte, Soziologie und Psychologie geltend gemachten "Zwang zur Lüge", halte Schockenhoff am Absolutheitsanspruch der ethischen Norm zur Wahrheit fest. Aus der These von der Allgegenwart der Lüge, dürfe nicht die Konsequenz gezogen werden, die moralische Norm sei wie eine rechtliche oder soziologische zu betrachten. "Der Bruch eines Gebots", bringt Mayer Schockenhoffs zentrale These auf den Punkt, "ist kein Argument zu seiner Relativierung oder gar Abschaffung." Unter dieser Prämisse behandelt der Autor die Wahrheitsproblematik in Politik, Medien und Medizin, in Rechtsprechung und Wissenschaft erschöpfend. Ein wenig abschreckend findet Mayer allerdings den "trocken-spröden Duktus" des Bandes. Davon abgesehen hat ihn das Buch durchaus überzeugt, da es Schockenhoff verstehe, "eindrücklich und gekonnt fundamental-ethische Grundlagenreflexionen mit aktuellen anwendungsethischen Problemen zu verknüpfen".
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