Margot Honecker war 26 Jahre lang Ministerin für Volksbildung in der DDR. In dieser Zeit gab es kaum einen DDR-Bürger, der nicht direkt oder indirekt mit den Folgen ihrer Tätigkeit konfrontiert war. Kritik an der dritten Ehefrau Erich Honeckers gab es bis 1989 offiziell keine. Umso heftiger fiel ihre öffentliche Verurteilung nach der Wende aus. Jetzt ist es an der Zeit, sich dieser umstrittenen Politikerin objektiv zu nähern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.03.2003
Ralf Husemann findet diese Biografie von Margot Honecker in weiten Teilen befremdlich, häufig hat er sich bei der Lektüre sogar geärgert. Merkwürdig erscheint ihm die Schwärmerei des Biografen, was das Äußere Margot Honeckers angeht und er hat den Eindruck, dass darunter auch die kritische Distanz zu seiner Protagonistin leidet. Auch die ungetrübte Begeisterung für das Schul- und Bildungssystem der DDR, dem Margot Honecker als Volksbildungsministerin vorstand, kann Husemann nicht nachvollziehen. Die Umerziehung "schwieriger Jugendlicher" werde in dem Buch zum Beispiel gar nicht erwähnt, und auch "Zwangsadoptionen" aus politischen Gründen, die mittlerweile historisch belegt wurden, werden von Stuhler abgestritten, meint Husemann empört. Er räumt ein, dass der Autor so manches Faktum in der Lebensbeschreibung zurechtrückt, doch kann dies die insgesamt "geschwätzige, manchmal unfreiwillig komische" Biografie in den Augen des Rezensenten nicht aufwerten.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 20.03.2003
Christoph Dieckmann gratuliert: Ein "freigeistiges Buch" mit "Mut zur Ambivalenz" habe Ed Stuhler geschrieben und einiges riskiert. Denn "manchen Leser", vermutet er, "mag dieses Buch als Enthexung der M. H. befremden". Zumal der Autor, selbst in der DDR groß geworden, tatsächlich keine Verteufelung - freilich auch keine "Apologie des Dogmatismus" geschrieben habe und sogar argumentiere, "Finnland sei Sieger von Pisa geworden, weil es die polytechnische Schulform der DDR übernommen habe". Die für dieses System verantwortliche Ministerin hieß Margot Honecker und war, informiert Dieckmann, eine "der bestgehassten SED-Figuren". Stuhler zeichne das Bild einer verbohrten Klassenkämpferin, die in jungen Jahren eine Schönheit war und "als First Lady ... äußerst emanzipiert". Auch über das spezielle Verhältnis zu Wolf Biermann gebe es ein Kapitel. Das einzige, was Dieckmann enttäuscht hat: dass Stuhler die "Ostvolkssage" von einem Verhältnis mit Otto Mellies so "herzlos" zu Staub zerfallen lässt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…