Edmund White, Autor einer preisgekrönten Jean-Genet- Biographie und zahlreicher Erfolgsromane, fasziniert an Proust nicht nur der kluge philosophische Romancier, der Salonlöwe und der Exzentriker, sondern vor allem der Homosexuelle. Als erster Biograph macht White Prousts Ringen um seine geschlechtliche Identität zum Thema, ohne sie zu verurteilen. Er nähert sich seinem Idol, das mit Auf der Suche nach der verlorenen Zeit den vermutlich längsten Roman der Weltliteratur geschrieben hat, mit einer kurzen Biographie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2001
"Inhaltlich dünn geraten" findet Andreas Platthaus diese Marcel Proust-Biografie. Die "grenzenlose Bewunderung" Whites für Proust ist dann auch schon das einzige, was der Rezensent lobt. Die vorliegende Lebensgeschichte nimmt "eine homosexuelle Perspektive ein", das restliche Leben des Autors kommt nicht vor - das ist dem Rezensenten deutlich zu wenig. Zumal der "Schwerpunkt Homosexualität" bei Proust keineswegs neu ist, wie Platthaus weiß. Besonders ärgerlich findet der Rezensent die "banale Deutung von Fotos als Fetische"; es sei hinlänglich bekannt, dass Proust Aufnahmen seiner Freunde für "charakteristische Beschreibungen" erbat. Zwar findet der Rezensent die Darstellung Whites gut lesbar - doch das kann für ihn die "diversen Ärgernisse" nicht abmildern.
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