Aus dem Französischen von Jürgen Ritte. "Seit meiner Kindheit hatte ich über Prousts Figuren und all ihre Vorbilder reden hören. Aber erst die Lektüre erlaubte mir, die Wirklichkeit in einem anderen Licht zu lesen. Prousts enorme Überlegenheit über die Aristokratie, die so eingebildete, ungebildete, gesellschaftliche Klasse aus der ich stammte, hat mich überaus beeindruckt: Die Menschen, die mich umgaben, waren, streng genommen, Prousts Gestalten. Und - noch besser - es war ihnen nicht einmal bewusst." Ein Buch über die emanzipatorische Kraft der Literatur, die auch eine Kraft des Trostes und der Aussöhnung mit dem Leben ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.11.2025
Marcel Proust hat sich für seinen großen Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von der Pariser High Society inspirieren lassen, in der er selbst immer wieder verkehrte, weiß Rezensent Dirk Fuhrig, der französische Hochadel hat sich mitunter nur wenig verschleiert wiederentdeckt in seinen Schilderungen. Auch die Familie von Laure Murat kommt vor, ihrer Urgroßmutter gehörte ein großes Palais, das im Roman zum "schönsten Stadtpalais von Paris" wird, Murat hat nun recherchiert, wie die reichlich speziellen Romanfiguren auf ihren realen Vorfahren basieren und dazu im essayistischen Stil auch ihr kompliziertes Verhältnis beschrieben - für Fuhrig ein interessanter neuer Zugang zu einem eigentlich bereits gut erforschten Werk.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025
Wie die Proust-Lektüre das Leben Laure Murats verändert hat, kann Rezensent Niklas Bender aus diesem Buch erfahren. Warum ist das interessant? Laure Marie Caroline Princesse Murat kommt aus dem französischen Hochadel und ihrer Urgroßmutter Cécile Ney d'Elchingen gehörte das "Hotel Murat", in dem Proust auch selbst verkehrte. Es ist nun Prousts Blick auf ihr Herkunftsmilieu, der die Autorin so fasziniert hat, gerade auch wegen seiner Kritik an ihm. Dazu gehört das Sezieren eines bestimmten Habitus von Sprachduktus bis zur Gefühlskontrolle, den der Autor genau beobachtete. Das endet in einer "methodischen Entmystifizierung der Aristokratie", die für die Autorin selbst, als ganz junge Frau "geschockt" von der ersten Proust-Lektüre, zum Katalysator wurde, sich von ihrer Familie und herrschenden Denkmustern zu distanzieren. Auch in Bezug auf ihre Homosexualität, die der Mutter missfiel, fühlte sie sich in den Proust-Romanen aufgehoben, wie wir lesen. Dem Leser beschert das Buch außerdem "auf federleichte Weise" wichtige "Ausschnitte der Belle Époque" und andere interessante Fakten zu Proust, versichert der angetane Kritiker.
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