Mit zeitgenössischen Illustrationen und einem Essay von Arnold Stadler. Herausgegeben von Egon Gramer. Vor der Ruine eines halbzerfallenen Kirchleins am Bodensee erzählt der alte Fischer Martin von abenteuerlichen Jugendstreichen. Die "Idylle vom Bodensee oder Fischer Martin und die Glockendiebe" brachte 1846 den ersten großen Erfolg für Eduard Mörike. Die vorliegende Ausgabe ist mit neu entdeckten Abbildungen aus dem Jahre 1872 versehen, die dem Lithographen Ferdinand Schlotterbeck zugeordnet werden. Es sind die einzigen bekannten zeitgenössischen Zeichnungen, sie werden hier erstmals veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.08.2004
Von Glocken mögen die Deutschen seit Schiller nichts mehr hören, bedauert Rezensent Lothar Müller vorneweg. Eine Glocke aber bleibe dem Leser bei diesem in Hexametern gedichteten Bodensee-Idyll nicht erspart - weglegen sollte er das Büchlein dennoch nicht. Die bewusste Glocke wird aus einem heidnischen Fund gegossen, einem Kriegsgott in Erz, unpassender Weise. Also wird sie auf den christlichen Namen "Maria" getauft, damit ist der Kriegsgeist vertrieben, das Idyll hergestellt. Das allerdings ist nur der Rahmen, in der Haupthandlung geht's um "See und Land, Liebe und Geld, Intrige und Idylle", mehr will Müller nicht verraten. "Polemisch-leidenschaftlich" ist der begleitende Essay des Schriftstellers Arnold Stadler ausgefallen, die neu aufgefundenen Bleistiftzeichnungen tragen dazu bei, dass dies eine "schöne Neuausgabe" geworden ist, schließt Müller seine Lektüreempfehlung.
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