Sie tragen herrliche Namen: Gräfin Alexandrine, Helmar von Alderkaß, Baronin Sidonie. Und wir lesen von ihrem Herzenskummer - er wirkt seltsam unstofflich und zugleich betörend. Nach einer Weile gestatten sie Blicke hinter ihre vornehmen Fassaden, und wir schauen tief in ihre Seelen hinein: Keyserlings Helden wollen das ganz große Gefühl und landen in einer ganz schnöden Wirklichkeit. Unter einer zarten Schicht Sentimentalität ist ein Dichter zu entdecken, der Geschichten von zerplatzenden Träumen erzählt, radikal wie kaum jemand in seiner Zeit. In den süßesten Tönen stimmt Keyserling den Abgesang seiner Epoche an.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2008
Dieser neue Band mit Kurzprosa und kulturtheoretische Texten Eduard von Keyserlings bedeutet aus Sicht von Rezensentin Sybille Saxer zwar einen Feiertag für die Liebhaberinnen und Liebhaber seiner "stilistisch eleganten Prosa", die ihrer Beschreibung zufolge "gleichzeitig vornehm-zurückhaltend und doch von überbordender Sinnlichkeit" ist. Auch sei der Band sorgfältig ediert und auch sonst sehr verdienstvoll, da er einen weiteren Schritt zur Wiederentdeckung dieses Autors darstelle. Unzufrieden ist die Rezensentin aber mit dem Titel, den sie zu stark an den Roman "Schlossgeschichten" angelehnt und damit verwirrend findet. Ausgesprochen schade findet sie auch, wie "wenig gehaltvoll" das Nachwort ausgefallen ist, weshalb die Edition ihr das "Desiderat" einer Keyserling-Gesamtedition umso schmerzlicher ins Bewusstsein bringt.
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