Edward P. Jones

Hagars Kinder

Erzählungen
Cover: Hagars Kinder
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008
ISBN 9783455036978
Gebunden, 464 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hans-Christian Oeser. Die biblische Figur Hagar gilt symbolisch als Mutter aller Farbigen. Mit einer bewunderungswürdigen Eleganz, die schon seinen Roman Die bekannte Welt auszeichnete, erzählt Edward P. Jones Geschichten von Hagars Nachkommen und deren Leben zwischen Armut und Gewalt, familiären Banden und erlösender Magie. Pulitzerpreisträger Jones erzählt in vierzehn aufwühlenden Geschichten von der inneren Zerrissenheit der schwarzen Bevölkerung in Washington, D. C., von Menschen, die gefangen sind zwischen dem erdrückenden Erbe der Sklaverei und den trügerischen Freiheiten der Gegenwart. Jones? Protagonisten hat es aus unterschiedlichsten Gründen in die Hauptstadt verschlagen. Einige von ihnen werden gut aufgenommen, anderen zeigt die Stadt ihr kaltes, unbarmherziges Gesicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2009

Reinhard Helling stellt Edward P. Jones in Amerika 2006 erschienenen Band mit Erzählungen vor, die ihm wegen ihres Umfangs wie kleine Romane erscheinen. Er würdigt Jones als einen der wichtigsten afroamerikanischen Autoren von heute, der in seinem Werk stets die leidvolle Vergangenheit schwarzer Amerikaner mitreflektiert, wenn er über die fiktive Gegenwart seiner Figuren schreibt. Der Rezensent muss feststellen, dass Jones den Optimismus des neuen Präsidenten der USA Obama hinsichtlich der sich positiv entwickelnden Stellung der Schwarzen in Amerikas Gesellschaft nicht teilt, sondern sowohl in seinen öffentlichen Äußerungen als auch in den Erzählungen immer wieder seine "Skepsis" herausstreicht. Helling fällt anhand dieser Geschichten nicht nur auf, dass es sich durchweg um sehr lange Texte handelt, ihm ist auch ins Auge gesprungen, dass der Leser stets mit enorm ausufernden Figurenarsenal konfrontiert ist, deren Relevanz für die Geschichte sich dem Rezensenten nicht immer erschlossen hat. Dennoch stellt der Autor, wie er bekräftigt eine originelle und "willkommene Stimme" nicht nur der afroamerikanischen Literatur dar.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2008

Edward P. Jones gilt Thomas Leuchtenmüller derzeit als profiliertester afroamerikanischer Schriftsteller, der in seinen Romanen und Erzählungen die ehemals aus dem ländlichen Süden stammende "black community" von Washington D.C. in den Mittelpunkt stellt, die hier unter der Kälte der Stadt und dem Verlust ihrer Identität leidet. Wenn das Sujet -  die Suche nach einer "schwarzen Identität" und die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln - auch nicht neu sei, so preist der Rezensent Jones' souveräne Stoffbeherrschung. Der Titel bezieht sich auf die Gestalt der Sklavin Hagar, die biblische Urahnin aller Schwarzen, und in den vierzehn Erzählungen überrasche der Autor immer wieder mit originellen Wendungen, die er den durchaus an Klischees anknüpfenden Figuren und Plots entlockt. Und auch stilistisch erfreut sich Leuchtenmüller an einfallsreichen Vergleichen und Bildern, wobei ihm besonders gefällt, wie Jones' Sätze immer wieder von nüchterner Bestandsaufnahme in schwärmerische Poesie umkippen.  Schließlich lobt Leuchtenmüller auch die Übersetzung von Hans-Christian Oeser nachdrücklich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2008

Differenziert, gelegentlich bestürzend, nie auf wohlfeile Effekte zielend - für Rezensent Eberhard Falcke ist dieser Erzählband von Edward P. Jones, dessen Texte ihren Stoff seinen Informationen zufolge aus der Geschichte und Gegenwart der afroamerikanischen Bewohner Washingtons beziehen, eine eindringliche Lektüre gewesen. Dabei spanne der 1950 geborene Autor einen weiten Zeithorizont in seinen Erzählungen und verblüfft den Rezensenten immer wieder durch die Virtuosität und die Eindringlichkeit, mit der er sich "quer durch Generationen und Epochen" bewegt. Ob Jones vom Mord an einem schwarzen Jugendlichen in den 50er Jahren erzählt, oder sich in schwarze Mittelstandsviertel der Gegenwart begibt, immer sind die Erzählungen bis tief in ihre narrativen Strukturen für den Rezensenten von der Sklaverei-Geschichte durchdrungen, die bis heute die Identität der schwarzen Amerikaner grundiere. Dabei beeindruckt Falcke besonders die Fähigkeit dieses Autors, auf ebenso fesselnde wie unprätenziöse Weise soziologische und historische Schichten in seine Texte zu ziehen - obwohl sie seinem Eindruck zufolge stets tief auf das Innere der Black Community konzentriert bleiben, das sie erforschen, befragen und ausmalen.

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