Amy Bloom

Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb

Roman
Cover: Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008
ISBN 9783455400915
Gebunden, 319 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Adelheid Dormagen. Als Lillian 1924 in New York ankommt, weiß sie eines ganz genau: Sie will es schaffen in diesem großen, neuen, verheißungsvollen Land. Schon bald hat sie nicht nur eine Arbeit als Näherin, sondern auch einen vermögenden Liebhaber. Ihr Aufstieg scheint unaufhaltsam, bis eines Tages eine Verwandte vor ihrer Tür steht und behauptet, Lillians Tochter habe das Massaker in Russland überlebt und sei möglicherweise nach Sibirien gebracht worden. Von da an gibt es für Lillian kein Halten mehr. Wider alle Vernunft verlässt sie New York und macht sich völlig mittellos auf eine abenteuerliche Reise. Quer durch Nordamerika, entlang dem legendären Yukon Telegraph Trail, reist sie unbeirrt ihrem Ziel, Sibirien, entgegen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2008

Verhalten äußert sich Sandra Kerschbaumer über diesen Roman von Amy Bloom. Ziemlich "wild" scheint ihr die Story um eine jüdische Frau, die bei einem Pogrom in der russischen Heimat ihre Familie verloren hat und in New York erfährt, dass ihre Tochter in Sibirien noch am Leben sein soll, woraufhin sie sich auf eine lange Reise begibt. Die Schilderungen der schrecklichen Erlebnisse fallen nach Kerschbaumers Ansicht übertrieben blutig aus, was bei ihr ein Gefühl des Unbehagens auslöst. Auch dass die Hauptfigur trotz des erfahrenen Leids kein "komplexer Charakter" wird, findet sie irritierend. Sie konstatiert Blooms Anspruch, große Erzähltraditionen fortzusetzen. Allerdings stellt sich die Autorin ihres Erachtens selbst ein Bein, trägt sie für Kerschbaumers Geschmack doch viel zu dick auf. Überfülle von spektakulären, hochemotionalen Ereignisse und "melodramatischer Hang" aber machen noch keinen großen Roman.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.08.2008

Gegenüber Amy Blooms Roman hegt Manuel Gogos einen Verdacht. Was, wenn es sich bei der Geschichte der jüdischen Näherin Judith, die die Suche nach ihrer verschollenen Tochter durch Amerikas subkulturelle Weiten bis nach Sibirien führt, um nichts weiter als einen "todessüchtigen Egotrip", eine Suche nach sich selbst handelt? Selbstlose Mutterliebe jedenfalls kann Gogos an der Figur nicht entdecken. Und hinter dem Etikett "große Literatur", das sich der Roman durch seinen Handlungsentwurf einer Konfrontation mit dem Tod laut Gogos eingebracht hat, prangt, für den Rezensenten deutlich sichtbar, ein Kritikpunkt: Die Anrufung kollektiver Erzählmuster nämlich erscheint ihm in diesem Buch etwas zu weit getrieben. Handlungs- und Figurenkannibalismus sei das, schaudert's dem Rezensenten. Und ein Hinweis darauf, dass in den USA Erzählkunst für erlernbar gehalten würde. Für Gogos schließt sich die Frage an, ob das Leiden der Juden, das der Text thematisiert, derart als dramaturgisches Futter benutzt werden darf.

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