Aus dem Englischen von Sabine Hübner. Ist eine nachhaltige Beziehung zwischen Mensch und Natur möglich oder eine Illusion romantischer Idealisten? Diese Frage treibt viele von uns um, ebenso wie Ökonomen, Politiker, Ingenieure und Umweltschützer. Edward Posnett geht ihr auf ungewöhnlichen Wegen nach und stößt dabei auf erstaunliche Geschichten. Er entführt uns in Höhlen auf Borneo, an die Küsten Islands und in die Anden. Anhand faszinierender Rohstoffe wie Muschelseide und Vikunjawolle sucht er nach Ansätzen, natürliche Ressourcen zu nutzen, ohne sie auszubeuten. Posnetts Buch ist eine Wunderkammer, die uns mit Hilfe besonderer Rohstoffe unseren Lebensstil hinterfragen und die Natur mit einer neuen Dringlichkeit sehen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2020
Edward Posnett verfolgt mit seinem Buch zwei Anliegen, stellt Rezensentin Manuela Lenzen fest: Zum einen möchte er auf die Wertschöpfungsketten von Naturprodukten aufmerksam machen, deren Ausgangspunkte für die Konsumenten allzu oft im Dunkeln liegen (beziehungsweise im Dunkeln liegen gelassen werden). Und das gelingt ihm auch, findet die Rezensentin. Als ehemaliger Wirtschaftsanalyst versteht es Posnett, internationale Warenketten und die Vorgänge der Kommodifizierung nachvollziehbar darzustellen. Zum anderen sucht er in "Die Kunst der Ernte" nach Möglichkeiten eines "gedeihlichen Nebeneinanders von Mensch und Natur". Beispiele für ein solches Nebeneinander findet er leider keine, lesen wir. Stattdessen führt er sieben Fälle aus, in denen Menschen oder Tiere aufs übelste ausgebeutet werden, damit der Konsument am Ende der Verwertungskette weich schlafen kann oder Kaffee aus von Wildkatzen ausgeschiedenen Bohnen genießen. Seine Antwort auf die Frage nach unschuldigen Erntemethoden fällt denn auch recht dürftig aus, meint die Rezensentin. Die Lektüre empfiehlt sie trotzdem, schon allein wegen der aufregenden Reiseberichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.11.2020
Rezensentin Friederike Meier vermisst im Buch von Edward Posnett über Eiderdaunen, Guano und die Möglichkeiten echter Partnerschaft zwischen Mensch und Tier bzw. Natur zum einen eine schärfere Begriffsanalyse (was heißt "Natur"?), zum anderen Strategien, wie so eine Symbiose zu erlangen wäre. Dass der Autor sich bei seinen Besuchen in Peru oder Malaysia zu der nostalgischen Vermutung hinreißen lässt, als der Markt noch nicht das bestimmende Element gewesen ist, sei alles besser gewesen, hält Meier auch nicht für hilfreich.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.09.2020
Rezensent Frank Kaspar begibt sich mit dem ehemaligen Marktanalysten Edward Posnetts auf eine ernüchternde Suche nach nachhaltigen Wirtschaftsmodellen. Denn selbst bei der rücksichtsvollen Gewinnung von Tierprodukten (wie beispielsweise von Daunen der isländischen Eiderente, deren Brutplätze im Gegenzug von den Menschen geschützt werden) dominiere mittlerweile das Konkurrenzdenken, lernt der Kritiker. Zudem erhalten die Bauern nur wenig vom Gewinn der Luxusgüter, wie Kaspar bei der Lektüre dieses "anschaulichen" und detailreichen Buchs feststellen muss. So bleibe es letztlich bei bloßen Träumen einer fairen Ökonomie, schließt der Rezensent.
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