C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406844973 Gebunden, 600 Seiten, 38,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn. Der Roman war die literarische Form des 20. Jahrhunderts. Es war ein Jahrhundert, das allzu oft kaum zu begreifen war, das dringend nach Beschreibung verlangte und doch jeder Beschreibung spottete. Der Roman mit seiner angeborenen Neugier auf die Welt geriet damit unter beispiellosen Dauerstress und reagierte, indem er sich ständig radikal neu erfand. Edwin Frank zeigt dies in seinem Buch an 30 Schlüsselwerken der Weltliteratur, die den Roman im 20. Jahrhundert prägten. Das 20. Jahrhundert war eine Zeit gigantischer Umbrüche. Der Roman stellte sich diesen Umwälzungen, indem er sich als literarische Form ebenso permanent wandelte. Edwin Frank führt das an 30 großen Romanen des 20. Jahrhunderts vor. Der Bogen reicht von H. G. Wells, Franz Kafka und Colette bis zu Gabriel García Márquez, V. S. Naipaul und W. G. Sebald. Thomas Manns Der Zauberberg, James Joyces Ulysses, Virginia Woolfs Mrs. Dalloway und Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften sind allesamt von dem monumentalen Anspruch getragen, ihre Zeit zu erfassen. Natsume Soseki in Japan und Chinua Achebe in Nigeria adoptierten europäische Vorbilder für ihre eigenen Zwecke, Wassili Grossman und Elsa Morante entwickelten den Roman weiter, um die Traumata des Zweiten Weltkriegs zu bewältigen. Mit bestechender Eleganz und stupender Kenntnis führt uns Edwin Frank durch die Romanliteratur des Jahrhunderts und erzählt die Geschichte einer berstenden Form in einer berstenden Welt.
Für Edwin Frank haben die Romane des 20. Jahrhunderts eine ähnliche Entwicklung durchgemacht wie die Physik: Die Quantenmechanik kam, stellte alles auf den Kopf und hat sich mit der Wiederherstellung nicht befasst, liest Rezensent Hannes Stein. Die Romane des 20. Jahrhunderts verzichten Frank zufolge auf Plot, Ethik, Ästhetik, Gewährsmann für seine Überzeugungen ist Dostojewskis "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch", dessen "hysterisch brabbelnde" Stimme die "Stimme der Moderne" sei. Die Stimme ist für den Autor das zentrale Signum des modernen Romans, diese These breitet er in einer für Stein stimmigen Auswahl an Romanen von James Joyce, Marguerite Yourcenar oder Rudyard Kipling aus, in die immer auch die brutale Geschichte des 20. Jahrhunderts Einzug hält. Der Kritiker hätte sich allerdings noch einen verstärkten Blick auf Genreliteratur und auch auf Vorgänger des unzuverlässigen Erzählens wie den "Simplicissimus" gewünscht. Ein Roman des 21. Jahrhunderts, gekennzeichnet durch sein gleichmäßiges Erzählen, sei beispielsweise "Austerlitz". Ob der Roman als Kunstform sich auch in diesem Jahrhundert halten kann, da sind sich aber weder Frank noch Stein sicher.
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