Aus dem Englischen von Maria Buchwald und Monika Bucheli. 1995 erscheint ein schmales Buch mit dem Titel "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948", das als Erinnerung eines Holocaust-Überlebenden gelten will. Es findet großen Anklang, wird in mehreren Sprachen übersetzt und mit Preisen ausgezeichnet. 1998 entlarvt ein Schweizer Journalist die Geschichte als Betrug und löst damit eine heftige Kontroverse über Buch und Autor aus. Die Verleger nehmen im Herbst 1999 das Buch vom Markt. Der Autor Binjamin Wilkomirski, bekannt als Musiker, Klarinettenlehrer und Klarinettenbauer Bruno Doessekker, hält an der Authentizität seiner Geschichte fest. Elena Lappin hat die Geschichte von Wilkomirskis/Doessekker recherchiert sowie die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte seines Buches. Sie befragte den Autor selbst, Menschen aus seinem Umfeld, Historiker, Holocaust-Forschende und Zeitzeugen. Lappin zeigt, weshalb das Schweizer Adoptivkind Bruno Doessekker, Kind von Verdingkindern, sich die Identität eines jüdischen lettischen Kindes erschuf, das Jahre in polnischen Konzentrationslagern verbrachte, in einem jüdischen Waisenhaus in Krakau lebte und schließlich in der Schweiz zum Vergessen seiner vermeintlich jüdischen Wurzeln gezwungen wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2000
In einer Doppelkritik bespricht Elisabeth Bauschmid zwei Bücher zum "Fall Wilkomirski":
1) Elena Lappin: "Der Mann mit den zwei Köpfen" (Chronos Verlag)
Über dieses Buch lässt Bauschmid allerdings nur eine Bemerkung fallen: Lappin schreibe in ihrer "Skizze" des Falls durchaus nicht ohne Mitleid, obwohl sie zu den "zunächst Getäuschten" gehörte. Ebenso wenig wie Mächler erliege sie dabei der Gefahr, angesichts der "geliehenen Biografie" dieses Autors, der sich eine Identität als Holocaust-Opfer andichtete, in "Amateurpsychologie" zu verfallen.
2) Stefan Mächler: "Der Fall Wilkomirski" (Pendo Verlag)
Wesentlich ausführlicher geht die Rezensentin auf Mächlers Buch ein und erinnert zunächst daran, dass Mächler der vom Suhrkamp-Verlag bestellte Gutachter war, der dann endgültig die Fälschung belegte. Ein wenig, so Bauschmid, merke man es dem Buch an - es sei als Gutachten für den interessierten Leser teilweise allzu detailliert belegt. Interessant findet die Rezensentin es aber immer dann, wenn Mächler die ergriffene Reaktion des Publikums und der Kritik auf Wilkomirskis (oder eigentlich Bruno Doessekers) gefälschte Biografie analysiert. Mächler sehe hinter dieser Ergriffenheit eine "subtile Form der Abwehr" aufscheinen, referiert die Rezensentin, die gegen diese Interpretation der Publikumsreaktionen nichts einzuwenden hat. Bauschmid erinnert auch daran, dass es schon vor Erscheinen "deutliche Warnungen" an die Adresse des Suhrkamp-Verlags gegeben habe.
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