Die Kriegsverbrechen der deutschen Nazi-Besatzer sind offene Wunden in der Geschichte Griechenlands. Und griechische Gefangene in deutschen Konzentrationslagern? Ob Mauthausen, Neuengamme, Dachau oder Buchenwald: Fast jede Familie in Griechenland wusste einen Betroffenen in ihren Reihen. Die Schriftstellerin Eleni Tsakmaki, aufgewachsen im nordgriechischen Katerini spürt dem Schicksal der Häftlinge nach und verleiht ihnen Stimme und Gesicht. Ob Georgios Patrikios, Lina Perachia oder Panajiotis Grivas: Etliche der Überlebenden blieben nach 1945 wegen des griechischen Bürgerkriegs in der Bundesrepublik - wo ihre Erfahrungen kaum auf Interesse stießen. Der Band stützt sich auf ausführliche Gespräche, geführt in den 2000er Jahren. Entstanden sind Geschichten von Erniedrigung und Entmenschlichung in KZs und Zwangsarbeiterlagern, aber auch vom Überleben, vom Glück der Befreiung und der Rückkehr in die Heimat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.01.2025
Rundum gelungen ist diese Veröffentlichung nicht, findet Rezensent René Wildangel, aber wichtig ist sie allemal. Eleni Tsamaki beschäftigt sich hier mit der Geschichte griechischer Gefangener in deutschen Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs und zwar entlang von 13 Einzelschicksalen. Die Geschichten der zehn Männer und drei Frauen, die der Band vereint, haben ihren Ursprung in verschiedenen Quellen, erläutert Wildangel, der selbst Historiker ist, wobei Tsamaki selbst viele Interviews geführt hat. Verdienstvoll und anrührend ist dieses Buch, stellt der Rezensent klar, gleichzeitig ist es schade, dass das im Original 2011 erschienene Buch nicht aktualisiert und dem gegenwärtigen Stand der Forschung angepasst wurde, etwa auch, was die unzureichende Entschädigung von Überlebenden durch den deutschen Staat betrifft. Eine historische Einordnung der Einzelschicksale wäre Wildangel zufolge ebenso wünschenswert gewesen wie umfangreichere Quellenangaben. Dennoch eine ehrenwerte Veröffentlichung zu einem in Deutschland immer noch viel zu wenig bekannten Thema, schließt die Rezension.
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