Elias Khoury

Als schliefe sie

Roman
Cover: Als schliefe sie
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518423325
Gebunden, 383 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Leila Chammaa. Elias Khoury ist einer der tonangebenden Schriftsteller und Intellektuellen der arabischen Welt. Sein neuer Roman führt zurück in die 1940er Jahre, die Zeit vor der palästinensischen Niederlage und der Gründung des Staates Israel. Er erzählt von der Liebe zwischen dem Palästinenser Mansur und der "traumbegabten" Libanesin Milia. Nach der Heirat ziehen die beiden nach Nazareth. Als Mansurs Bruder Amin, der gegen die jüdische Einwanderung gekämpft hat, getötet wird, muß Mansur seine Rolle übernehmen. Milia hat Angst, Angst um ihn, Angst um ihr Kind. Sie ist schwanger. Bei der Geburt am 24. Dezember 1947 stirbt sie, indem sie aus ihrem letzten Traum nicht mehr erwacht - ein Traum, der sie noch sehen läßt, wie Mansur mit dem Säugling aus dem brennenden Jaffa auf ein griechisches Schiff flieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.03.2013

Äußerst angetan ist Reinhard J. Brembeck von dem nun unter dem Titel "Als schliefe sie" auf Deutsch erschienenen Roman des libanesischen Schriftstellers Elias Khoury. Erzählt wird die in den 1940er Jahren spielende Geschichte der griechisch-orthodoxen Christin Milia, die in rätselhaften Träumen und durch ihre Liebe zu ihrem Mann Mansur versucht, der Realität am Vorabend der Naqba, der Vertreibung der Palästinenser aus Galiläa im Jahre 1948, zu entfliehen. Khoury gelinge es exzellent, seine poetische Liebesgeschichte mit einem zwar dezidiert arabischen, aber nie parteiischen Blick auf den Konflikt zwischen Juden und Arabern zu verbinden, lobt der Rezensent. Darüber hinaus zeigt sich Brembeck begeistert von den zahlreichen hier zitierten Versen der arabischen Poesie, insbesondere des Dichters al-Mutanabbi. Auch wenn deutsche Leser vielleicht nicht alle literarischen, politischen und religiösen Anspielungen verstehen werden, kann Brembeck dieses ebenso fesselnde wie ergreifende Buch, in dem Khoury die Kunst des orientalischen Erzählens mit Erzähltechniken der westlichen Moderne verbinde, nur unbedingt empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.01.2013

Eigentlich hätte Astrid Kaminski in einem Roman, der 1947 im Gebiet des damaligen Palästina spielt, vom Autor Elias Khoury eine "umsichtige Parteinahme" erwartet. Nicht nur die bleibt aus, verrät sie. Eigentlich fehlt ihr jede weiterführende Begründung der dramaturgischen Ort- und Zeitwahl des Autors. Stattdessen ist die Rezensentin auf viel Zweideutiges gestoßen; die allgemeine Situation wird in der Lebenswelt seiner Protagonisten Mansur und Milia zwar berührt, aber Khoury enthält sich einer eigenen Deutung. Nur dank der Gedichte, die er Mansur in den Mund legt und Milias Interpretationsversuchen schneidet der Roman das Politische, meint die Rezensentin: "Das Land ist nicht Land. Es ist das Wort, verschmolzen mit Geschichten.", zitiert Kaminski den Autor. Die Lösung des Konflikts kann für Milia deswegen auch nur im Wort liegen, nur in der Poesie. Das klingt der Rezensentin angesichts der aktuellen Lage dann doch zu hypothetisch und kitschig. Außer es gebe in naher Zukunft einen "israelisch-palästinensischen Dichterwettstreit um die Zweistaatenlösung", fügt sie schmunzelnd hinzu.

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