Uri Jitzchak Katz

Aus dem Nichts kommt die Flut

Roman
Cover: Aus dem Nichts kommt die Flut
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783455017243
Gebunden, 576 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Die Suche nach einer Novelle gerät zu einem Abenteuer der Extraklasse. Sie beginnt im Prag der 1920er Jahre, führt Mitte des 20. Jahrhunderts durch die umkämpften Hügel von Hebron und die Obstgärten um Jaffa und zurück in eine abgedrehte Zukunft wie aus Matrix - "Gib acht, was du träumst!" Alles beginnt mit der sagenhaften Geschichte des Mannes, dessen Gesicht in Grimm erstarrte. Zuerst hört Uri davon in Israel, von seiner Großmutter Zippora. Später schwärmt die heißgeliebte Julia davon. Als Zippora verstirbt und Julia auf rätselhafte Weise verschwindet, macht Uri sich auf die Suche nach der verschollenen Novelle, nach darin verborgenen Zeichen, weil er die Hoffnung nicht aufgibt, Julia wiederzufinden. Uris fieberhafte Besessenheit treibt ihn in wildem Zickzackkurs durch Zeiten und Welten, durch das alte Osteuropa, die Levante und das Internet bis an den Rand des Wahnsinns - hinein in ein zutiefst persönliches Geheimnis. Am Ende muss er sich eingestehen, dass zwar alles einen Sinn ergibt, aber nichts passt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.08.2024

Rezensent Marko Martin hat Uri Jitchak Katz' monumentalen 500-Seiten-Roman mit Interesse gelesen. Es handelt sich um eine Art Palimpsest: Denn der 1924 in Prag verfasste Text eines Anschel Katz setzt sich im realen, vorliegenden Roman fort, wird um- und weitergeschrieben. Die Haupthandlung spielt im Israel der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wo Anschels Sohn - Großvater einer Figur, die heißt wie der reale Autor - bei einem palästinensischen Vergeltungsschlag ums Leben kommt; Figuren und Namen aus dem Ursprungstext tauchen auf (im Roman-Universum), Reales und Fiktionales wird ununterscheidbar. Die Freude an dieser komplexen Geschichte schwindet laut Rezensent durch die allzu geplante und ihn letztlich erschöpfende Konstruktion; mit Roberto Bolanos Metafiktionen, mit denen Katz' Roman verglichen wurde, kann er Martin zufolge nicht mithalten, zur Lektüre empfehlen würde er ihn dennoch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2024

Ein Monster von einem Roman ist das, staunt Rezensent Felix Stephan, einer, der es mit dem "Ulysses" und anderen modernistischen Großtaten auf sich nehmen kann. Mindestens sechs Handlungsstränge soll das Werk enthalten, meint Stephan, aber sicher sein kann man sich nicht, da andauernd alles neu- und umgeschrieben wird. Jedenfalls geht es unter anderem darum, dass Max Brod, Franz Kafka und andere gemeinsam eine Erzählung namens 'Der Mann, dem das Gesicht in Grimm erstarrt' verfassen und einem Antisemiten in die Schuhe schieben. Im Weiteren wird sowohl diese Geschichte immer wieder aufgegriffen, erläutert Stephan, als auch die weiteren Lebenswege einiger ihrer Autoren, schließlich taucht auch noch ein Vorwort zu der Erzählung auf, das ins Romanhafte ausufert. Die einzelnen Bestandteile des Buches greifen laut dem Rezensenten diverse Erzähltraditionen auf, im Kern geht es allerdings um den Nahostkonflikt. Genauer gesagt darum, führt Stephan abschließend aus, wie dieser mit Selbstbildern und Identität zusammenhängt.

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