Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth. Sie kann manchmal eine rechte Nervensäge sein: Olive Kitteridge, die pensionierte Lehrerin. Weil sie zu allem, was in dem Städtchen Crosby geschieht, eine dezidierte Meinung hat, halten sie einige für überkritisch. Dann wieder überrascht sie durch Selbstlosigkeit und Mitgefühl. Sie mischt sich ein und macht sich ihre Gedanken über ihre Mitmenschen: die schrille Barpianistin, die insgeheim einer verlorenen Liebe nachtrauert, einen ehemaligen Schüler, der keinen Sinn mehr im Leben sieht, ihren eigenen Sohn, der sich von ihren Empfindlichkeiten bevormundet fühlt, ihren Mann Henry, der die Ehe mit ihr nicht nur als Segen, sondern manchmal auch als Fluch empfindet. Und während sich die Menschen in Crosby mit ihrem ganz normalen Leben herumschlagen, den Problemen wie den Freuden, lernt Olive auf ihre alten Tage, das Leben zu lieben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2010
"Konservativ im besten Sinne" ist Elizabeth Strouts 2009 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneter Roman, schreibt Rezensent Martin Halter. Wobei dies eigentlich kein Roman ist, sondern eher eine Sammlung von Geschichten rund um die scharfzüngige Mathematiklehrerin Olive Kitteridge, die mit ihrer Familie in einem idyllischen Küstenstädtchen in Maine lebt. Viel los ist da nicht, so Halter. Aber Strout erzählt so "lebensklug" von Familien, Liebe und Alter, dass sich dem Rezensenten doch eine ganze Welt erschlossen hat.
Klassisches Leseglück gibt Eva Menasse nach Lektüre dieses Romans zu Protokoll, der aus ihrer Sicht nichts weniger ist als eine 21.-Jahrhundert-Version von Sherwood Andersons Geniestreich von 1919 "Winesburg, Ohio". Denn dieses pulizerpreisgekrönte Buch amalgamiert für die Kritikerin das Genre Roman mit der Erzählung und gibt ihr so ein "flirrendes Bild vom zusammenhangslosen Zusammemhang der Welt". Dicht fand sie darüber hinaus in dieser Kleinstadtgeschichte gute und böse Formen menschlichen Verhaltens ausgeleuchtet. Zwischen den Szenen mäandere Elisabeth Strout in ganz andere Regionen des Lebens und der Welt, erspare den Lesern wenig an Abgründen und unglücklichen Einsichten. Das Wunder jedoch bestehe darin, dass die Lektüre den Leser gleichzeitig mit dem Fatalismus versöhne. Allerdings bedauert die Kritikerin, dass der im Original als "Olive Kitteridge" erschienene Roman auf Deutsch mit einem so verwaschenen Titel herausgekommen ist, der klar auf das Frauenzeitschriftenpublikum zielt.
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