Sie schlafen in Tunneln, Hauseingängen, auf Bänken und unter Brücken: Obdachlose. Wir sehen sie und sehen sie doch nicht. Und wenn wir sie sehen, scheinen sie uns zugleich fremd und bekannt zu sein. Obdachlose leben jenseits der Alltagsroutinen und Komfortzonen, gewissermaßen als entfernte Verwandten der Abenteuertouristen, die wir alle gern mal sind. In Literatur, Film und Philosophie werden sie darüber hinaus als Bilder der Freiheit in Szene gesetzt. Die Literaturwissenschaftlerin Elke Brüns spannt einen Bogen von Victor Hugo zum romantischen Vagabunden, von Maxim Gorki bis zum Tatort. In dieser verborgenen Faszinationsgeschichte stellen die Unbehausten uns grundlegende Fragen zu unseren eigenen Werten und Lebensentwürfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2017
Mit großem Interesse hat Rezensent Oliver Jungen diesen Essay gelesen, in dem die Literaturwissenschaftlerin Elke Bruns mit Goethe, Gorki, Adorno und Foucault an der Hand auf die wachsende soziale Ungleichheit in Deutschland schaut. Hellsichtig kann ihm die Autorin die Situation der inzwischen 86.000 Wohnungslosen vermitteln. Vor allem aber bewundert der Kritiker, wie Bruns die Literaturgeschichte bis in die Romantik zurückverfolgt, um darzulegen, wie "fasziniert" in der Literatur anders als in der Realität die radikale Freiheit des Vagabundierens betrachtet wird. Als lesenswerten Beitrag, der den gängigen Diskurs "aufbricht", kann der Rezensent diesen Band unbedingt empfehlen.
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