Der historische Roman, eine der maßgeblichen Gattungen des 19. Jahrhunderts, spiegelt aufgrund seiner Stofffülle und Vielgestaltigkeit die unterschiedlichsten sozialen und politischen Sinnkonzeptionen der Zeit wider. Hinter der vermeintlichen Vielfalt lässt sich jedoch ein stereotypes Gestaltungsmuster erkennen: Der Versuch der (Re-)Konstruktion einer organischen Einheit von Vergangenheit und Gegenwart. Die zeitgenössische Hinwendung zur Vergangenheit ist Ausdruck von Geschichtsresignation, Gegenwartsangst und Zukunftsverweigerung. Damit macht der Geschichtsroman eine Leitvorstellung der Epoche deutlich: Der Widerspruch zwischen Erhalten und Verändern erscheint im 19. Jahrhundert unauflöslich. Behandelt werden Werke von Walter Scott, Wilhelm Hauff, Victor Hugo, Gustave Flaubert, Adalbert Stifter, Conrad Ferdinand Meyer und Theodor Fontane.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2008
Nicht ganz zufrieden ist Rezensent Thomas Meissner mit Barbara Potthasts Untersuchung von sieben historischen Romanen aus dem 19. Jahrhundert. Zwar schätzt er den komparatistischen Blick der Autorin, die von Walter Scotts "The Bride of Lammermoor" bis zu Fontanes "Vor dem Sturm", von Victor Hugos "Notre-Dame de Paris" bis Flauberts "Salammbo" ein weites Feld historischer Romane beackert. Auch begrüßt er die Leitfragen Potthasts und ihre genaue Detaillektüre der einzelnen Werke, die sie sowohl formal als auch inhaltlich analysiert. Aber das Analyseinstrumentarium der Autorin mutet ihn auf die Dauer doch reichlich statisch an. So hält er ihr vor, immer wieder die gleichen Strukturen zu suchen, die gleichen Leitthemen zu erkennen und Unterschiede zwischen den Texten zu verwischen. Insgesamt scheint ihm Potthast auch ihre eigenen Vorgaben nicht eingelöst zu haben.
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