Eines Frühlingsmorgens schlägt Bettina Melker ihren beiden Geschwistern einen Überraschungsbesuch bei ihrem verwitweten Vater vor. Er wird 77, im Oktober, am Nationalfeiertag. In den Monaten bis zu dem Fest verdichten sich die Spannungen im Leben der alternden Kinder - als ob sie Rechenschaft ablegen müssten vor einem beobachtenden Auge. Doch schließlich reisen sie mit ihren Partnern oder dem Hund - und mit einigen Selbstzweifeln - ins beschauliche Westfalen. Was hält Familien zusammen? Woran bemisst sich ein gelungenes Leben? Elke Schmitter erzählt in ihrem neuen Roman von einem Familientreffen auf schwankendem Grund.
Rezensentin Ingeborg Harms folgt Elke Schmitters gebildetem Personal zu einer Familien-Geburtstagsfeier und stellt fest, dass "proletarische Herdenintimität" längst im Bildungsbürgermittelstand angekommen ist - jedenfalls bei den Frauen. Einigermaßen bedrückend erscheinen ihr die im Text beleuchteten Lebensmomente der Figuren, die von einem unbestimmten, immateriellen Kern der physischen Realität des bügerlichen Selbstbewusstseins zeugen. Da nützen auch die literarischen und tagespolitischen Referenzen in den Dialogen und alle dargestellten Vorsätze der Weltverbesserung nichts, ahnt Harms. Prekär sind solche Existenzen darüber hinaus, erkennt sie.
Rezensentin Nina Apin gefällt Elke Schmitters neu erschienener Roman "Inneres Wetter". Die linksliberale Autorin und Feuilletonistin zeichnet darin nicht nur ein "Familiengemälde", bestehend aus dem verträumten Sebastian, der sorglosen Bettina, der sozial abgestiegenen Huberta und dem beinahe 77-jährigem Vater, sondern beschreibt auch zeitgemäß das deutsche Bildungsbürgertum, erklärt Apin. Die Erzählung ist multiperspektivisch, was der Rezensentin zufolge sowohl Nähe als auch Distanz zu den Figuren verschafft und was dazu führt, dass man mit ihnen nicht wirklich warm wird. Am Ende des Romans kommt dann auch noch Spannung auf, aber wie es mit dem Familienzusammenhalt aussieht, möchte Apin uns schlussendlich doch nicht verraten.
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