Emir Kusturica

Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht

Mein bisheriges Leben
Cover: Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht
Albrecht Knaus Verlag, München 2011
ISBN 9783813504507
Gebunden, 352 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Masa Dabic. Emir Kusturica schreibt seine Erinnerungen auf: beginnend an seinem ersten Schultag, als Juri Gagarin ins All flog, bis zu dem Tag, als Johnny Depp sein Freund wurde. Er folgt der Chronologie, aber das ist auch alles, was das Buch mit einer normalen Lebensgeschichte gemein hat.
"Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht" ist ein Gesamtkunstwerk, das genau die Bilder erschafft, die man von Kusturica kennt: wilde Geschichten vom Balkan, quirlig, heiter, sentimental, brutal. Sein Buch ist ein adaptierter Autorenfilm, der die gedrehten und ungedrehten Szenen eines Lebens vorführt. Die Geschichte vom unglücklichen Alkoholiker in Sarajewo, der mit einer Prostituierten verheiratet ist und dann erfriert. Die Geschichte von dem Psychiater, der Kusturica in einer Schaffenskrise helfen soll und dann selbst Trost braucht. Die Geschichte von der Frau seines Lebens. Die Geschichte vom Urknall der Begegnung mit Tante Biba, später dann mit Federico Fellini und Ivo Andric - Tränen und Gelächter über eine wahnwitzige Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.01.2012

Mathias Schnitzler kennt sie alle, die politischen Verirrungen des Emir Kusturica, seine Treueschwüre gegenüber dem serbischen Präsidenten Milosevic und seine Huldigung des Kriegsverbrechers Radovan Karadzic. Aber den Regisseur liebt er trotzdem, für all seine "irrwitzen, poetischen Filme" wie "Zeit der Zigeuner" oder "Schwarze Katze, weißer Kater". In dieser Autobiografie hat Schnitzler nun erlebt, dass das reale Familiensetting bei Kusturica genauso verrückt ist wie seine Filme, Schnitzler schwärmt jedenfalls von einer "durch und durch schrägen Sippe". Mit ebenso großer Erheiterung hat er die Passagen gelesen, in denen Kusturica von seinen Kiffernächten mit Johnny Depp durchs belagerte Sarajevo erzählt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2011

Ein "reines Lesevergnügen" ist Emir Kusturicas Geschichte seines Werdegangs als Filmemacher, einer der bedeutendsten Europas der letzten Jahre im übrigen, wie Rezensent Marius Nobach anmerkt, und überdies im Tonfall locker und sympathisch. Wäre da nur nicht das großserbisch-nationalistische Engagement des Regisseurs, das ihn in den vergangenen Jahren mehrmals für Schlagzeilen gesorgt hat und auch die vorliegende Autobiografie eintrübt: Zwar gebe er sich diesmal - wohl seines westlichen Publikums wegen, mutmaßt der Rezensent - "zahmer", auch gehe er nun - "fadenscheinig", findet Nobach - zu Milosevic auf Distanz, doch bleiben serbische Kriegsverbrechen bei Kusturica weiterhin unerwähnt und Serbien weiterhin Opfer zahlreicher von außen lancierter Angriffe. Diese Verbohrheit vergiftet Kusturicas Werk, seufzt Nobach abschließend.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2011

Einen zwiespältigen Eindruck hat Emir Kusturica Autobiografie bei Rezensentin Doris Akrap hinterlassen. Ihr missfällt insbesondere die fragwürdige politische Haltung des serbischen Filmemachers, der Positionen der serbischen Nationalisten vertritt und sich immer wieder von entsprechenden Politikern hofieren lässt. Im Buch selbst wird das allerdings kaum thematisiert. Aber auch als Literat scheint ihr Kusturica nicht so beeindruckend wie als Filmemacher. Dass bei der Lektüre ein "lebendiges Bild" entsteht, liegt ihres Erachtens vor allem daran, dass man das geschilderte Personal - die Eltern und Verwandten, die politischen Kommissare und Kleinkriminellen - gut aus Kusturicas Filmen kennt. Nichtsdestoweniger bietet das Buch in ihren Augen einen "kurzweiligen Ausflug in jugoslawisch und postjugoslawisch absurdes Kino".

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