Emmanuel Levinas

Ethik als Erste Philosophie

Cover: Ethik als Erste Philosophie
Sonderzahl Verlag, Wien 2022
ISBN 9783854496007
Kartoniert, 96 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Gerhard Weinberger. Im Jahr 1982, am Höhepunkt seiner philosophischen Produktivität, hielt Emmanuel Levinas den Vortrag Ethique comme philosophie première in Löwen. Das penibel vorbereitete Skript des Vortrags bildet die Grundlage für die vorliegende Edition, die einen zugleich stark verdichteten, doch in seiner klaren Struktur auch gut fassbaren Gedankengang zugänglich macht. Insofern ist der Text ein Glücksfall für alle, die mit Levinas bereits vertraut sind, wie auch für all jene, die sich dem Autor erstmalig annähern wollen: Denn Ethik als Erste Philosophie bietet nicht weniger als eine Selbstdarstellung der zentralen These von Levinas' Werk aus der Perspektive seiner späten, feinsäuberlich ausgearbeiten Verfasstheit. Daher lässt sich der Text sowohl als ein Höhepunkt der Levinas'schen Subjektivitätskritik wie auch als eine Einführung in sein Werk lesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2022

Rezensent Uwe Justus Wenzel hat diesen, erstmals ins Deutsche übersetzen Vortrag von Emmanuel Levinas über "Ethik als Erste Philosophie" von 1982 mit Interesse gelesen. Es geht es um das menschliche Bewusstsein, das nichts wahrnehmen kann, ohne es in Besitz nehmen zu wollen. Gestört werde dieses Verlangen immer nur von anderen, die dasselbe wollen. Der Vortrag ist eine gute Einführung in das Denken des französischen Philosophen, meint Wenzel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2022

Der hier rezensierende Philosoph Daniel-Pascal Zorn rät an, sich in Zeiten des Krieges an den "trotzigen Trost" in Emmanuel Levinas Werk, exemplarisch zu beobachten in einer nun erschienenen späten Vorlesung, zu halten. Denn in Levinas' Abkehr von der griechischen Philosophietradition, das heißt vom ontologischen Festnageln-Wollen des Absoluten und des Wesens aller Dinge, das hier vom Individuum her begriffen wird, und in der Hinwendung zur ethischen Frage nach dem richtigen Handeln, das die Mitmenschen immer schon mitdenkt, steckt ein tiefer Glauben an das Zwischenmenschliche und an die Gemeinschaft, wie Zorn eingehend erklärt. "Konkrete Handlungsanweisungen" für den Alltag dürfe man als Leser nicht von der Vorlesung erwarten, warnt Zorn, weil dabei in Levinas' Logik die Prämisse des Anderen, der allem Handeln vorausgeht, wieder aus dem Blick gerate. Präsentiert wird Levinas' lesenswerte Theorie durch eine sehr "umsichtige" Ausgabe des Verlags mitsamt Glossar, Handbibliothek und Essay des Übersetzers, lobt Zorn.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2022

Rezensent Peter Strasser verortet das erstmals auf Deutsch erscheinende Buch von Emmanuel Levinas im Umkreis der Phänomenologie Husserls und Heideggers und im Gesamtwerk des Autors als spätes Schlüsselwerk. Die "kompetente" Übersetzung von Gerhard Weinberger und ein Glossar geleiten ihn durch Levinas' Versuch, die "jüdische Tradition der negativen Theologie" philosophisch fortzuschreiben. Weil der Autor (und das Nachwort) die theologischen Implikationen seiner philosophischen Begriffe nicht erläutert, hat Strasser seine Schwierigkeiten mit dem "Ethikvortrag". Was Levinas antrieb, lässt sich für den Rezensenten dennoch erkennen.
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