Aus dem Italienischen von Susanne Hurni. Nach einer Autopanne findet sich ein junger italienischer Offizier allein im äthiopischen Busch wieder. Die Begegnung mit einer rätselhaften Schönen löst eine Katastrophe aus: Durch Zufall prallt sein Schuss auf ein wildes Tier ab und tötet die Frau. Daraufhin quälen ihn nicht nur Selbstvorwürfe und die Furcht vor Entdeckung, sondern bald auch ein schlimmer Verdacht: dass er sich mit Lepra infiziert haben könnte. Auf seiner filmreifen Flucht durch die grandiose, bedrohliche Natur Afrikas sieht er sich mit existentiellen Fragen konfrontiert, aber auch mit der absurden Komik scheinbar auswegloser Situationen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Ob man dieses Buch nun wirklich im Irak "so gut lesen kann" wie in Afghanistan, wie Rezensent Tilman Spreckelsen schreibt bzw. ob sich an Ort und Stelle auch jemand findet, der das unternimmt - wer will das sagen? Spreckelsen aber hebt damit auf die zeitlose Aktualität des von Fellinis Drehbuchautor Ennio Flaiano mit Hilfe seines Kriegstagebuches aus Abessinien erstellten Romans ab. Spreckelsen fasziniert nicht so sehr die Handlung, sondern wie der Autor das Grauen des von Mussolini geführten Feldzuges durch den Realitätsverlust und die Orientierungslosigkeit seines Helden "stilsicher" vermittelt. Eine Ahnung vom Albtraum des Krieges bekommt der Rezensent indirekt, als Echo der Kampfhandlungen, wie er erklärt. Die Fragwürdigkeit des Erzählers aber wirkt auf eine Weise, die Spreckelsen das Buch mit "Schuld und Sühne" vergleichen lässt oder mit einigen Erzählungen von Edgar Allan Poe. Dennoch hält er es für ein ganz und gar eigenständiges Antikriegsbuch. Eines, dessen Neuauflage – es erschien erstmals 1947 – er nur begrüßen kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009
"Radikalität altert nicht", konstatiert Rezensentin Maike Albath nach der Lektüre von Ennio Flaianos zuerst 1947 erschienenem und nun neu aufgelegtem autobiografischen Roman "Alles hat seine Zeit". Darin lässt Flaiano einen italienischen Soldaten als Ich-Erzähler vom Abessinienkrieg der 1930er Jahre berichten. Maike Albath zeigt sich beeindruckt von der Nüchternheit, mit der der von seiner Truppe Getrennte wahrnimmt, wie er sich immer tiefer in Schuld verstrickt. Eine "Geschichte eines Kontrollverlusts" ist dies, befindet die Rezensentin, denn anhand der immer bedrohlicher wahrgenommenen Dinge um ihn herum wird klar, dass der Ich-Erzähler paranoid wird. Von der Spannung zwischen dem Unheimlichen der Außenwelt und den Bemühungen des Erzählers um Rationalität fühlt sich die Rezensentin an Kafka und Dino Buzzati erinnert.
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