Hans Woller liefert in diesem beeindruckenden Buch die erste wissenschaftlich fundierte Gesamtdarstellung der Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert und macht die gegenwärtige Situation des Landes damit in ganz neuer Weise verständlich. Italien, als Nationalstaat wie Deutschland eine Spätgeburt, war um 1900 ein bitter armer Agrarstaat, den die Industrialisierung noch kaum berührt hatte. 100 Jahre später zählt das Land zu den führenden Industriestaaten. Der Weg in die Industrie-moderne war steinig: Er führte über eine totalitäre Diktatur, die das Land an der Seite Hitlers in den Zweiten Weltkrieg verwickelte, über einen blutigen Bürger- und Klassenkrieg schließlich in eine stets prekäre Demokratie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.08.2010
Nüchternheit und Ausgewogenheit sind die wesentlichen Tugenden, mittels deren es Hans Woller laut Volker Breidecker auf Anhieb gelingt, seine "Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert" zum Standardwerk zu veredeln. Breidecker liest sich durch flüssig-elegant geschriebene, chronologisch geordnete Historie und wird zuweilen sogar von Schauern echter Spannung ereilt. Dass Woller nebenher mit gängigen Verharmlosungen betreffend das Land der Zitronen (etwa in der Frage der Rassenpolitik) aufräumt, dankt Breidecker ihm. Dann allerdings, wir befinden uns nach Abhandlung des "Modells Italien" nun in der Gegenwart und in Berlusconis Bananenrepublik, verlässt Breidecker die Freude. Wie ein klarer Kopf wie der Autor die täglichen Verfassungsbrüche in Silvioland derart blauäugig als heilsame Klärung politischer Verhältnisse betrachten kann, ist ihm ein Rätsel.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2010
Rezensent Thomas Speckmann zeigt sich sehr beeindruckt von Hans Wollers Buch, das die Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert nicht nur kenntnisreich, sondern auch elegant erzählt. Ein "Standardwerk". Speckmann selbst interessiert sich besonders für Italiens Eroberung Libyens und die Kriege gegen das Osmanische Reich 1911 und 1912, die er so - als "Italiens Vietnam" nämlich - noch nicht dargestellt gefunden hat. Sehr deutlich wurde ihm dabei, mit welch herablassender Fehleinschätzung die Italiener hier agiert haben und wie sehr ihnen das Gefühl für Recht und Freiheit anderer abhanden gekommen war. Dem Rest der Geschichte widmet Speckmanns Rezension allerdings nur zwei Absätze, in denen er vor allem das korporatistische "Modell Italiens" beerdigt. Ein wenig unklar bleibt, ob Woller in seinem Buch ebenso gewichtet wie Speckmann in seiner Rezension.
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