Erich Sutter

Irminger, Chirurgus

Roman einer Ärztefamilie 1769-1799
Cover: Irminger, Chirurgus
Zytglogge Verlag, Oberhofen am Thunersee 2007
ISBN 9783729607316
Gebunden, 315 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Im 18. Jahrhundert war Pfaffhausen ein Weiler mit drei Häusern auf dem Höhenzug zwischen Zürichsee und Greifensee. Dort wohnte die alteingesessene Sippe der Irminger in kleinen Stuben und Kammern, eng zusammengedrängt, und ernährte sich, wie es damals üblich war, von etwas Landwirtschaft und den mageren Einnahmen des Baumwollspinnens und der Handweberei. Über mehrere Generationen hinweg waren jedoch auffallend viele Pfaffhauser Irminger zusätzlich als Ärzte - auch Scherer oder Chirurgen genannt - oder Tierärzte tätig. Einige waren als Wunderheiler und Zauberer verschrien, aber auch so berühmt-berüchtigt, dass der Begriff "Pfaffhauser Quacksalber" geradezu sprichwörtlich wurde. Heinrich Irminger (1746 bis 1818), eine der Hauptpersonen des Romans, wurde sogar bis nach Glarus gerufen. Dort sollte er das Kind kurieren, das angeblich von Anna Göldi, der letzten hingerichteten "Hexe", verzaubert worden war. Alle wichtigen Personen in diesem Buch haben tatsächlich gelebt und die wesentlichen Ereignisse in ihrem Leben sind durch historische Dokumente belegt (entsprechende Gerichtsurteile sind im Originaltext wiedergegeben). Sie alle erlebten einschneidende gesellschaftliche Veränderungen, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1798/99 fanden, als die alte Ordnung, das heisst die absolute Vorherrschaft der ?Gnädigen Herren? in der Stadt, zusammenbrach und die Französische Revolution auf die Eidgenossenschaft übergriff.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.05.2007

Das Buch nennt sich Roman, aber die Ärztefamilie Irminger, um die es sich dreht, die hat real existiert, berichtet die Rezensentin Beatrice Eichmann-Leuchtenegger. Und darum gingen dem Buch von Seiten des Autors auch ausführliche Recherchen voraus, in denen er das Schicksal der Irmingers erforschte. Die Figuren seien perspektivreich in Form von Ich-Erzählungen vor Augen gestellt. So etwa der viele Übel als solche der Seele begreifenden Heinrich Irminger, der darum bei seinen Handlungsmethoden neben dem Aderlass auch auf die richtige Konstellation der Gestirne setzte. Verortet werden der Arzt und seine Familie in der präzise dargestellten Zeit vor, während, nach der in der Ferne grummelnden französischen Revolution und im mit großer Ortskenntnis dargestellten Raum, dem Zürcher Oberland. Eichmann-Leutenegger staunt über das "stupende Sachwissen" des Autors, aber auch darüber, dass das "mit großer Wärme geschriebene" Buch von Anfang bis Ende spannend bleibt.

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