Erika Thomalla erzählt die bisher ungeschriebene Geschichte der modernen Herausgeberschaft vom frühen 18. bis zum späten 19. Jahrhundert und zeigt, dass die Tätigkeit von Editoren in der neueren Literaturgeschichte alles andere als sekundär, sondern maßgeblich an der Konstitution eines nationalen Kanons sowie neuer Werk-, Autorschafts- und Literaturkonzepte beteiligt ist. Der Herausgeber ist die Instanz, die Texte auswählt, kürzt, umschreibt oder ergänzt, anordnet, rahmt, präsentiert, bekannt macht und zum Druck befördert. Erst durch solche editorialen Verfahren nimmt Geschriebenes jene scheinbar authentische überzeitliche Form an, die es als tradierungswürdigen, klassischen oder originellen Text lesbar macht. Herausgeber machen Texte allererst zu Werken eines Autors oder eines Autorenkollektivs.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2021
Rezensent Oliver Jungen empfiehlt Erika Thomallas Studie zur Geschichte der Herausgeberschaft nicht nur Germanisten. So kenntnisreich wie anschaulich kann ihm die Berliner Literaturwissenschaftlerin vermitteln, wie bedeutsam die Figur des Herausgebers für die Etablierung der Universtätsgermanistik war, aber auch wie sehr Editoren den Klassiker-Kanon prägten. Mit großem Interesse liest Jungen von den "Herausgeberschlachten", die etwa zum vermeintlichen Gegensatz von Popularisierung und Wissenschaftlichkeit geführt wurden. Gespannt folgt der Rezensent zudem Thomallas geradezu "kriminalistischer" Spurensuche hinsichtlich der Bearbeitung und Veränderung, die Herausgeber häufig an ihrem Material vornahmen: So machten erst Schlegel und Tieck den von ihnen editierten Novalis zum Fragmentdichter, erfährt der Kritiker. Den Verzicht auf gewagte Thesen verzeiht Jungen mit Blick auf diese so lehr- wie umfangreiche Bündelung von Einzelstudien gern.
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