Aus dem amerikanischen Englisch von Ulrike Bischoff. Karin Schutjer untersucht Goethes ambivalente Auseinandersetzung mit dem Judentum von der Beobachtung aus, dass sie seinen ebenfalls zwiespältigen Modernebegriff zutiefst beeinflusste. Ihre Studie kontextualisiert Goethes Rezeption der jüdischen Schrifttradition und hinterfragt die Spuren, die sowohl der Pentateuch, die Kabbala und Spinoza als auch antijüdische Denkfiguren wie der Ewige oder der wandernde Jude in seinem Werk hinterlassen haben. Schutjers Lektüren von "Dichtung und Wahrheit", "Hermann und Dorothea", "Wilhelm Meisters Wanderjahren", "Faust" und Goethes Volksbuch-Projekt bringen aufschlussreiche Erkenntnisse zutage, die Goethes Kritik an der jüdischen Emanzipationsbewegung überraschend in ein neues Licht rücken, wenn beispielsweise Faust als Moses-Figur gelesen wird, sich Goethes Semiotik aus dem jüdischen Verbot des Götzendienstes speist oder das Alte Testament vor dem Hintergrund der jüdischen Exilgeschichte als säkulare Nationalliteratur gedeutet wird, die Goethe als Vorbild für eine diasporische schriftbezogene deutsche Kulturnation verstand.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2020
Gustav Seibt liest Karin Schutjers Studie über Goethes Verhältnis zum Judentum mit Gewinn. Dass die Autorin vor allem auf literarische Bezüge zum Alten Testament, zur hebräischen Bibel abhebt und so Verbindungen zwischen Moses und dem Richter in "Hermann und Dorothea" oder zwischen der Kabbala und dem Kosmos in "Dichtung und Wahrheit" herstellt, notiert Seibt ebenso wie den Umstand, dass die Autorin das Judentum seiner Meinung nach historisch nicht genügend differenziert. "Enorm" verdienstvoll findet er den Band dennoch, da er bei anspruchsvoller Lektüre einen neuen, wichtigen Zugang zu Goethes Werk vermittelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2020
Rezensent Jakob Hessing wird nicht klüger mit Karin Schutjers Studie über Goethes Antijudaismus. Dass der bereits 2015 auf Englisch erschienene Band für ein anglophones Publikum geschrieben wurde, entgeht Hessing nicht. Es erfüllt ihn sogar mit "Unbehagen", dass Schutjer ihre Hauptquelle "Dichtung und Wahrheit" auch in der deutschen Fassung als Goethes Autobiografie bezeichnet. Schutjers werkimmanenter Ansatz scheint Hessing mit dem Fokus auf zwei von Goethe rezipierte Bücher der hebräischen Bibel zudem zu eng. Dass Heine im Buch nicht auftaucht, die Autorin aber stattdessen "obskure Stellen" aus dem Faust II heranzieht, findet Hessing befremdlich.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…