Herausgeben von Marita Krauss, Sarah Scholl-Schneider und Peter Fassl. Die Erinnerung an die Vertreibung nach 1945, an die Ankunft und den langen Prozess der Integration wird getragen von Menschen, die ganz neu beginnen mussten. Ihre Lebensläufe, sozialen Netzwerke und Traditionen prägen eine Erinnerungskultur, die in das Familiengedächtnis wie in die öff entliche Wahrnehmung Eingang gefunden hat. Zwischen hüben und drüben, zwischen dem Aufnahmeland Bayern und den tief greifend veränderten Kulturlandschaften Böhmens und Mährens, entstehen Erinnerungsräume, an denen die ehemaligen wie die heutigen Bewohner teilhaben. Wie verändert sich die Erinnerung? Wie erleben die Enkel den Bruch in ihrer Familiengeschichte? Wie erinnern sich Tschechen heute an die deutsche Vergangenheit ihrer Wohnorte? Die Ergebnisse des beispielhaften Interview- und Forschungsprojekts Sudetendeutsche Vertriebene in Bayern werfen neues Licht auf ein Kapitel bayerischer Geschichte, das bis in die Gegenwart reicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2013
Wichtig gegen das Vergessen erscheint Christopher Dowe die Lektüre dieses Bandes, in dem Nachwuchswissenschaftler unter Anleitung der Historikerin Marita Krauss Erinnerungen von sudetendeutschen Heimatvertriebenen sammeln und analysieren. Dowe erwähnt das unterschiedliche Erkenntnisinteresse der Autoren, aber auch die sie einende Methode der kulturwissenschaftlichen Herausarbeitung von Erzählstrukturen wie der Ergänzung der gesammelten Erinnerungen durch Archivmaterial. Die Betrachtung bestimmter Familienschicksale aus verschiedenen Perspektiven, von Enkeln, Großeltern und Eltern etwa, eröffnet dem Rezensenten komplexe Erinnerungsräume, deren Erforschung sich lohnt, wie er findet.
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