Ernst Dronke, enger Wegbegleiter von Karl Marx und Friedrich Engels während des Revolutionsjahres 1848, war einer der scharfsichtigsten Erzähler und Journalisten seiner Zeit. In seinen schlaglichtartigen, auf wahren Begebenheiten beruhenden "Polizei-Geschichten", zeigt er, dass jeder Gesetzesverstoß und jedes Verbrechen nicht nur vom Elend des Menschen und von seinem tiefen Fall erzählt, sondern häufig auch von dem Schicksal eines in Not geratenen Menschen, der durch einen eigentlich unbedeutenden Fehltritt unaufhaltsam auf die Vernichtung seiner Existenz zusteuert. Zugleich sind seine frühen True-Crime-Stories, die er selbst Sozial-Novellen nannte, eine soziale Bestandsaufnahme, in denen er spannungsreich die Folgen staatlicher Willkür lebendig werden lässt, und den fundamentalen gesellschaftlichen Wandel durch die Industrialisierung beschreibt.
Von Marx und Engels als "schöngeistige Redeblumen, durchtränkt von liebesschwülem Gemütstau" abgetan, brachte der "Wahre Sozialismus", der sich zum Ziel gesetzt hatte, die gewalttätige proletarische Revolution zu verhindern, indem dem Bürgertum das Leid der anderen vor Augen geführt werde, ein paar lesenswerte Werke hervor, informiert Rezensent Frank Schäfer. Ernst Dronkes "Polizeigeschichten" etwa, für die der Journalist und Schriftsteller Korrespondenzblätter durchforstete, um fiktional angereicherte und nicht ohne literarisches Talent erzählte "True-Crime-Stories" zu verfassen, erzählt der Kritiker, der sich durchaus von Dronkes Geschichten über in die Kriminalität abgerutschte kleine Leute in den Bann hat ziehen lassen. Ein paar allzu gemächliche Stories verzeiht Schäfer gern.
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