In der globalisierten Welt von morgen kann man Außenpolitik nicht mit den Mitteln von vorgestern betreiben. Die Staatenwelt, in der allein Regierungen agierten und die Macht nur aus den Gewehrrohren kam, gehört der Vergangenheit an. Große Wirtschaftskonzerne, mächtige Nicht-Regierungsorganisationen und erstarkende Terrorgruppen sind längst ernstzunehmende Akteure des internationalen Systems geworden. In diesen Veränderungen liegen neue Gefahren, aber auch neue Chancen. Ernst-Otto Czempiel analysiert die Konsequenzen für eine zeitgemäße Außenpolitik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
Grundsätzlich stimmt Hubert Wetzel Czempiels Forderungen zu: Ein neues, der Globalisierung Rechnung tragendes Demokratiemodell müsse entwickelt werden, das weniger auf nationale Interessen oder gar militärische Macht setze, als auf Kooperation und Gewaltfreiheit. Allerdings fühlt sich Wetzel bisweilen an "friedenspolitische Beißreflexe " erinnert und gibt zu Bedenken, dass es beispielsweise im Falle der Nato-Ost-Erweiterung keineswegs an Foren, sondern vielmehr an politischem Willen gemangelt habe. Und noch einen Einwand äußert Wetzel zu diesem Buch: Czempiels Absicht sei es, sich mit seinen Thesen an die Öffentlichkeit zu wenden. Wer aber nicht so sattelfest in den Theorien zur Aussenpolitik und Internationalen Beziehungen sei, werde sich in diesem Buch kaum zurecht finden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999
Anerkennend, aber auch ziemlich pessimistisch beurteilt Michael Schefczyk die Thesen von Ernst-Otto Czempiel zur "klugen Macht". Schefczyk gibt in Eckpunkten diese Thesen wieder: Czempiel meint, dass Wirtschafts- und Wohlstandsinteressen im 21. Jahrhundert die Sicherheit in Europa mit grosser Wahrscheinlichkeit besser garantieren könnten als sicherheitspolitische Massnahmen wie beispielsweise Raketenabwehrsysteme. Daher begrüsse Czempiel auch die Osterweiterung der EU, nicht hingegen die der Nato. Ein "kraftvolles Buch" habe der Autor hier vorgelegt, so Schefczyk. Dann fragt er allerdings skeptisch, ob nicht auch im 21. Jahrhundert Aspekte wie Pathos, Schuld, Bestrafung und Macht, die üblicherweise mit militärischen Auseinandersetzungen einhergehen, aussenpolitisch mitentscheidende Faktoren sein werden.
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