Herausgegeben von Sabine Schiller-Lerg und Wolfgang Stenke. Nach 14 Jahren im Londoner Exil betrat Ernst Schoen im Oktober 1947 zum ersten Mal wieder deutschen Boden. Sein Reisetagebuch und der "Germany Report", den er im Auftrag der BBC verfasste, zeichnen mit dem fassungslosen Blick des Emigranten Begegnungen mit Fremden, ehemaligen Kollegen, alten Bekannten und dem Personal der Besatzungsmächte auf.Ernst Schoen misstraute jenen, die sich zwölf Jahre mit den Nationalsozialisten arrangiert hatten und sich danach sofort an die neuen Verhältnisse anpassten. Melancholisch beschrieb er angesichts der Trümmer seines Frankfurter Hauses den schmerzhaften Verlust, den die Zerstörung seiner beruflichen Existenz beim Rundfunk und die Vertreibung durch die Nazis bedeuteten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2023
Nicht nur die Deutschen kommen in Ernst Schoens Aufzeichnungen seiner Reise ins zerbombte Deutschland im Jahr 1947 schlecht weg, stellt Rezensent Stephan Speicher fest. "Schwach" und "schleimig weich" erscheinen sie dem Komponisten und Schriftsteller Schoen, der 1933 ins Exil nach Großbritannien gehen musste, dabei erstarrt in einer "tief unheimlichen Wartestimmung", zitiert der Rezensent den Autor. Aber auch Schoens Blick auf Briten und Juden ist zutiefst negativ, wundert sich der Kritiker. Mit dem Nachwort der Herausgeber wird ihm aber klar: Schoen war ein vom Leben und den Menschen schwer Enttäuschter. In den 20er Jahren als Mann von Geist und Charisma bekannt, litt er als Emigrant unter dem "Verlust der Heimat" und der Ablehnung, mit der ihm die Briten begegneten, weiß der Kritiker nun.
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