Diese neue Kulturgeschichte beendet eine Legende: dass die Deutschen traditionell ohne Lebensart seien und weit hinter der feineren Gesittung ihrer romanischen Nachbarn zurückgeblieben. In einer großen Bewegung führt Erwin Seitz von der germanischen Vorzeit über die römischen Wurzeln und das keltische Erbe bis in die Großstadtkultur der Gegenwart und ihre kulinarischen Tempel. Durch mehr als zweitausend Jahre einer wechselhaften Geschichte, in der die Deutschen nach Tiefpunkten und Durststrecken immer wieder zu höchster Form der Verfeinerung aufliefen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2012
So ganz souverän verfügt der Autor nicht über die Fülle seines Stoffes, moniert Jürgen Dollase, der dem Titel des Buches bereitwillig folgt und sich dann ein bisschen allein gelassen fühlt, weil es dem Autor dann doch mehr ums Bodenständige geht, als um die titelgebende Verfeinerung. Da verliert sich Erwin Seitz dann in persönlichen kulinarischen Präferenzen, anstatt dem Rezensenten schön analytisch das historische Material auseinanderzusetzen, das er so fleißig herbeischafft, über Moselwein und Humanismus, Barbarossa und Luthers geringe Lust auf Geflügel. Systematisch, meint Dollase, ist das nicht immer und oft sogar sehr unkritisch. Am besten gefällt ihm das Buch aber noch in seinen historischen Teilen, für die spitzenkulinarische Gegenwart scheint der Autor sich indes nur am Rand zu interessieren.
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