hallo niemand
Roadtrip in Versen

Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432884
Gebunden, 109 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
In einem roten Audi A6 macht sich der Held aus Österreich auf nach Deutschland, um Bundeskanzler zu werden. Er hält an Autobahnraststätten und Penny-Parkplätzen, gerät in linke und rechte Demos, parkt mal vor dem Bundestag, mal auf einem Zirkusplatz und landet im Verhörzimmer der Polizei. Auf den Etappen trifft er skurrile Gestalten, die von einer apokalyptischen Zukunft zeugen, Pfarrer und Rabbis, Gott und sein zorniges jüdisches Ebenbild G'tt, Bekannte aus der Politik wie Gregor Gysi, Olaf Scholz und Alice Weidel. In rasanten Szenen und Dialogen, ständig getrieben vom roten Audi, der mit laufendem Motor wartet, erkundet er seine Identität, seinen Glauben und seine Sexualität, die er fortwährend in den Kontext der aktuellen politischen Verhältnisse setzt.Yevgeniy Breygers Langgedicht hallo niemand ist eine Auseinandersetzung mit drängenden Fragen nach der Versehrtheit des Körpers und des Geistes in Zeiten von Krieg und totalitärer Realitätserzwingung. Die Stationen dieses Roadtrips fügen sich zu einem Panorama Deutschlands, und im Gegensatz zu Odysseus, der sich selbst Niemand nennt, um den Zyklopen zu überlisten, wird dem Helden dieser Reise der Name Niemand zugewiesen - ob er will oder nicht.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.02.2026
Rezensent Samuel Hamen folgt in diesem Langgedicht des in der Ukraine geborenen Lyrikers Yevgeniy Berger dem lyrischen Ich Niemand, das "irre rasant und unbekümmert traurig", so Hamen, durch deutsche Landen reist, um sich den entsetzlichen Status Quo zwischen Kriegen, Krisen und Faschismus anzuschauen. Im "geplapper der blätter" dreht er poetisch durch, fantasiert Gregor Gysis Folterkeller und Friedrich Merz' Wechsel zur AfD und trifft auf kuriose Figuren, lesen wir. Normal ist daran nichts mehr, wie Hamen feststellt, Breygers Verse werden von Unsicherheit getragen und schwanken dabei mal ins Düstere, mal ins Heiter-Leichtfüßige. Verse, die dem Kritiker zufolge gut in diese unsichere Zeit passen, in der Fakt und Fiktion nicht immer so leicht voneinander zu trennen sind und Niemand nur noch "die form einer möglichkeit nachzeichnen" kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.02.2026
Rezensent Björn Hayer liest Yevgeniy Breygers in Verse gepackten Roadtrip durch Deutschland mit Vergnügen. Auch wenn die Grenze zum Klamauk mitunter touchiert wird, hält Hayer aus und liest über ein Deutschland, in dem Gregor Gysi einen Folterkeller betreibt, Weidel und Co. die Judenvernichtung planen und das lyrische Ich zwischen AfD-Horror und der eigenen Kanzlerkandidatur reichlich gebeutelt wird. Das Ganze wird mit viel mündlichem Material präsentiert, mit Phrasen und Nachrichten, sodass für Hayer eine Art neues Wintermärchen a la Heine entsteht, bissig und mit Pathos.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2026
Der ukrainischstämmige deutsche Dichter Yevgeniy Breyger legt ein eigensinniges Langgedicht in 14 Teilen vor, staunt Rezensent Tobias Lehmkuhl. Umgangssprachlich geschrieben vollzieht es den Wahnsinn des fortgesetzten Mordens in der Ukraine nach, im Zentrum steht der Herr Niemand des Titels, der zum Held eines absurden Road Movies wird. Gregor Gysi, Gauland und vor allem immer wieder Alice Weidel, die drauf und dran ist, Bundeskanzlerin zu werden ("es ging auge um auge, alice oder ich") kommen vor. Insgesamt haben die Verse keine Verankerung mehr in persönlichen Erinnerungen, stattdessen regiert die Regression, erklärt Lehmkuhl. Ganz klar wird nicht, was der Kritiker von Breygers diesmal stark der Groteske zuneigenden Gedicht insgesamt hält, mindestens mit Interesse scheint er es jedoch gelesen zu haben.