Eva Demski

Das siamesische Dorf

Roman
Cover: Das siamesische Dorf
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518417409
Gebunden, 382 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Einen dreiwöchigen Aufenthalt im Paradies - das verspricht das siamesische Dorf, eine Ferienanlage an der Küste Thailands, erholungsbedürftigen Europäern. Die Journalistin Kecki und der Photograph Max sollen über den fernöstlichen Garten Eden berichten, doch statt dessen finden sie sich bald konfrontiert mit höchst befremdlichen Vorkommnissen. Schon Buddha warnte vor dem Begehren als Quelle böser Taten. Der ungeklärte Tod zweier Frauen im Vorjahr wirft einen irritierenden Schatten auf die perfekt inszenierte Touristenidylle. Nichts ist, was es scheint - selbst die zwei Klöster in der Nähe des Dorfes sind nicht reine Horte der Erleuchtung, sondern Schauplätze recht unbuddhistischer Machenschaften. Ein zweites Dorf versteckt sich im Dschungel, ganz anders als das der Fremden und doch untrennbar mit diesem verbunden. Den beiden Reportern und Ermittlern wider Willen enthüllt sich hinter den Wundern Asiens mehr und mehr ein bedrohliches Geflecht irdischer Interessen und Begehrlichkeiten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.08.2006

Besonderen Spaß hatte Rezensentin Marion Lühe sichtlich nicht mit dem jüngsten Roman von Eva Demski. Allzu übersichtlich ist ihr das alles angelegt: Eine Satire auf den Tourismus, der auf der Suche nach dem Neuen nur das immerselbe findet und produziert: den üblichen Tourismus. Hier werden in einer thailändischen Ferienanlage einige Figuren zusammengeführt, die - mit voller Absicht - nichts sind als Klischees; die "ironische Brechung" besorgt die Autorin immerhin gleich mit. Nur leider, so Löhne, reicht das nicht; jedenfalls zu nicht mehr als einer leidlich unterhaltsamen Geschichte und dem gelegentlichen Schmunzeln. "Seniorenüberschuss und Kindersex, Touristenesoterik und Wellnessboom" - alles drin in diesem Roman, nur leider mache Demski zu wenig daraus, gerade weil sie zu viel will, meint Lühe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2006

Rezensentin Beatrix Langner hält eine leidenschaftliche Verteidigungsrede auf Eva Demskis satirischen Tourismusroman. Dieser sei bei der Kritik völlig durchgefallen, obwohl er fast das Gleiche fast am gleichen Ort passieren lasse wie Michel Houellebecq in seinem Bangkok-Roman. Nur, holt Beatrix Langer aus, Eva Demski habe entschieden mehr "Selbstironie" auf der Pfanne und ihre ganze Erzählweise sei wesentlich überdrehter und einfach lustiger. Möglicherweise könne man ihr dieses außer Rand und Band geratene Erzählen ankreiden, bei dem Wahrscheinlichkeit und Logik gerne mal von einer märchenhaften Fabulierfreude ausgehebelt würden. Aber genau das sei auch die Qualität, so die Rezensentin, "schrill" gehe es zu und auch "lustig", aber zugleich werfe Eva Demski einen knallharten soziologischen Blick auf die untoten Utopien von Touristenzombies.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.04.2006

Bei der Lektüre von Eva Demskis Roman "Das siamesische Dorf" bekommt der Leser "heiße Ohren", verspricht Uta Beiküfner. Eine Touristengruppe findet sich in einem thailändischen Ferienparadies zusammen, in dem es zu seltsamen Morden kommt, fasst die Rezensentin zusammen. Doch nicht die Verbrechen, sondern "Erotik und Exotik" bestimmen die Handlung und hier zeigt die Autorin ihr "Händchen für Dialoge" und ihr Geschick, die "Schwächen ihrer Figuren" in vielen Bildern offenbar werden zu lassen, so Beiküfner eingenommen. Dabei liege die "Stärke" Demskis vor allem in den "pittoresken Details", mit denen sie ihre Geschichte würzt, wobei das "Große und Ganze" etwas ins Hintertreffen gerät, wie die Rezensentin einräumt. So manches bleibt in diesem Roman dann auch gänzlich unaufgeklärt und rätselhaft, doch das scheint Beiküfner nicht zu stören. Sie lässt sich in die "glitzernde Jahrmarktkulisse" dieser bedrohten Ferienidylle hineinziehen, lässt sich von der "Spannung" der Handlung bannen und von der "Sinnlichkeit" des Geschehens "verführen". Nicht eben"tiefsinnig", gibt die Rezensentin zu, aber eben trotzdem fesselnd. Und nebenbei schreibt die Autorin auch noch "Sätze", die eigentlich "zu kostbar für dieses billige Ambiente" sind, so Beiküfner angetan.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Ein böser Verriss! Was hat bloß den ehrwürdigen Suhrkamp Verlag geritten, fragt Kristina Maidt-Zinke, dieses Buch als Spitzentitel der Frühjahrsproduktion erscheinen zu lassen und "in dessen Programmtradition es, mit Verlaub, hineinpasst wie ein Kondomautomat in einen Klosterhof". Finanznöte? Den Erfolg bezweifelt Maidt-Zinke, denn das Buch tauge höchstens als Unterhaltungslektüre für einen Flug nach Bangkok. Nun spielt das Buch in Thailand, Protagonistin ist eine etwas ältere Reisejournalistin, die sich als Amateurdetektivin nützlich macht und sich nicht vor den Karren von Tourismusbranche und Pharmakonzernen spannen lässt. Jede Menge "klischeehaft überzogener Porträts" macht die Rezensentin aus, eine kriminalistische Konstruktion, die an die gute alte Agatha Christie erinnert, wohl allerdings nicht mehr ganz die zeitgemäße Form ist, wohingegen das jedem Kapitel vorangestellte Buddha-Zitat durchaus dem heutigen Zeitgeist entspricht. Statt nach Thailand würde sie doch lieber auf Hundeschlittentour nach Lappland gehen, bekundet die Rezensentin und vermutet dort keinen solchen Sündenpfuhl wie im "siamesischen Dorf". Und wohl auch keine Suhrkamp-Lektoren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2006

Heinrich Detering ist entsetzt. Was Eva Demski selbst "vermutlich" für grotesk halte, nennt er auf gut bayrisch "krachledern dämlich". Wie kommt's? Das Buch ist ein Esoterik-Thriller, schreibt Detering, der weder dem Thriller traut noch der Esoterik. Er verzettelt sich, wenn wir dem Rezensenten glauben, in alle erdenklichen Richtungen, und weiß das auch. Nützt aber nichts. Ebensowenig, meint Detering, wie die Fähigkeit der Autorin zum Perspektiven- und Tonwechsel, zum Spiel mit den Lesererwartungen. Das Wunderbare verkünden und es zugleich ironisch abwehren - ein Kunststück, findet Detering, das den Kitsch zeitigt, "der sich selber peinlich ist".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2006

Die Verbindung von leichtem Sujet und sozialkritischem Tiefgang misslingt Eva Demski gründlich, meint Burkhard Müller: Wenn es um deutsche Urlauber irgendwo an der thailändischen Küste geht, lasse sich "Seichtheit" nicht vermeiden. Das Problem besteht in den Augen Müllers nun darin, dass Demski mit "falschem Ehrgeiz" diese Beschränkungen hinter sich lassen will und eine Geschichte mit kriminellen Triaden, Entführungen und Brandstiftungen daraus macht. "Der Plot ist wirklich zu dumm", schimpft der Rezensent, der zu seinem Leidwesen beobachten muss, wie im Laufe des Buches die "hanebüchene" Handlung die durchaus "schönen Vignetten" verdrängt, die hier und da zu finden sind.
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