Mit 68 Abbildungen. Immer wieder verwertete Thomas Mann Fotografien als Anregung für seine Beschreibungskunst. Eva-Monika Turck macht erstmals die ganze Tragweite dieses Themas für das Mannsche Gesamtwerk deutlich und enthüllt sämtliche von Thomas Mann benutzten Fotovorlagen. Von den berühmten Fotosequenzen Muybridges in 'Tonio Kröger' über die Röntgenfotografie im 'Zauberberg' bis zur Echnaton-Beschreibung in 'Joseph und seine Brüder' offenbart sich, wie der Schriftsteller die Fotografie als Motiv und Metapher einsetzt. Darüber hinaus wird ein Bogen zu den zahlreichen Porträts von Thomas Mann geschlagen - er selbst gehört zu den meistfotografierten Autoren des 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.03.2004
Als "Ikonologen-Sirene" firmiert Eva-Maria Turck in der Rezension von Ingo Flothen, doch hinter der saloppen Formulierung versteckt sich durchaus ein Kompliment für die Akribie, ja auch Pedanterie der Autorin, die wie bei einem Puzzle Bildbausteine sucht, vergleicht, zuordnet, nach Vorlagen fahndet und dabei ebenso wissenschaftlich vorgehen wie sich von ihrer Intuition leiten lassen muss. Thomas Mann war fasziniert von der Fotografie, erklärt Flothen, und diese Faszination war Ausgangspunkt für Turcks Buch, das der Rolle der Fotografie als Inspirationsquelle und Schreibimpuls für Manns Texte und Charaktere nachspürt. Mehr noch, behauptet Flothen: Mann habe sich selbst fotografischer Techniken wie Perspektivenwechsel, Überblendungen, serieller Reproduktionen und fotografischer Metaphern bedient. Das eigentlich Spannende dieses wunderschön gestalteten Buches, betont Flothen, stelle aber das Eintauchen in Manns Bilderwerkstatt dar. Dabei sei die Zuordnung der Vorlagen zu Figuren und Charakteren aus Manns Romanen und Erzählungen keineswegs einfach, erläutert der Rezensent fasziniert, oft hätte es mehrere Vorlagen gegeben. Um so mehr erstaunt ihn, dass Turck einige bereits bekannte Details durch die Lappen gegangen sind. In jedem Fall stünde diese Untersuchung Brassais Proust-Essay in nichts nach, legt der Rezensent zum Schluss noch mal ordentlich Lob nach.
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