Die Politik ist aus Thomas Manns Leben nicht wegzudenken. Ausgehend von dem scheinbar "unpolitischen" Thomas Mann vor dem Ersten Weltkrieg ergründet Manfred Görtemaker die wichtigsten Stationen in der Beziehung des Autors zur Politik: seine Zeit als "Vernunftrepublikaner" in der Weimarer Republik, die frühe Gegnerschaft zum Nazistaat, die Emigrationszeit in der Schweiz und den USA, schließlich seine skeptische Haltung zur "fragilen Republik" Adenauers, mit der er sich bis zu seinem Tod 1955 nicht anfreunden konnte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2005
Der Historiker Manfred Görtemaker zeigt sich enttäuscht von den politischen Einlassungen Thomas Manns. Nicht nur von den frühen Unsäglichkeiten, auch von den späteren, republikanisch gewendeten Aussagen. An seiner Enttäuschung ist er aber selber schuld, meint der Rezensent Alexander Honold, weil er Mann allzu buchstäblich nimmt. Gerade was Görtemaker kritisiert, ist das Faszinierende am politischen Mann, so Honold: Das Bewusstsein des medialen Auftritts- und Theatercharakters, den die Inszenierung seiner politischen Äußerungen trägt. "Es ist eine Rolle", sagt Thomas Mann selbst. Er spricht da, findet der Rezensent, wie ein Schriftsteller - und in gewisser Weise spricht er auch über seine Literatur, die ihre Kraft nicht zuletzt der Tatsache verdankt, dass sie nicht nur ein "rücksichtslos ausgeführter Trug" ist, sondern dass sie davon auch kündet.
Andreas Kuhlmann zeigt sich von Manfred Görtemakers Studie zum politischen Wirken Thomas Manns tief enttäuscht. Denn eine "differenziertere Sicht" als die bereits hinlänglich formulierten Standpunkte führender "Mann-Exegeten" ist bei dem Historiker bedauerlicherweise nicht zu finden, beschwert sich der Rezensent. So stelle Görtemaker zwar die bereits wiederholt geäußerte Meinung dar, Thomas Mann sei im Grunde ein unpolitischer, nur an seiner Kunst interessierte Schriftsteller gewesen, der beispielsweise von der Demokratie "höchst fragwürdige" Vorstellungen gehabt habe. Woraus sich dagegen sein großes Engagement gegen den Nationalsozialismus speiste, erklärt der Autor nicht, so Kuhlmann unzufrieden. "Äußerst trist" findet er auch die Erklärungsversuche für die Situationen, in denen Thomas Mann sich nicht für politische Ziele engagiert hat, wie beispielsweise bei der Gründung des "Komitees für ein demokratisches Deutschland", wofür Görtemaker private Gründe ins Feld führt und dabei die von Mann selbst geäußerte, politische Begründung schlicht "unterschlägt". Ebenfalls unerwähnt bleibt die Radiorede Manns vom September 1942, in der dieser bereits von "systematischer Judenvernichtung" spricht und eine "erstaunlich genaue" Kenntnis der politischen Lage an den Tag legte, so Kuhlmann weiter.
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