2 CDs, 105 Minuten. Lesung ausgewählter Einträge. Sprecher: Reinhard Baumgart, Peter Wapnewski, Vicco von Bülow u. a. Spaziergänge im Münchner Herzogpark, Ausflüge an den Starnberger See. Gedanken über Abendgesellschaften in Hausschuhen, Speisepläne und mangelnden Applaus bei Lesungen. Grübeln beim Blick in den Spiegel, Geständnisse über seine geheime Liebe zu Jünglingen. Thomas Mann schreibt in seinen Tagebüchern ehrlich und unverstellt über sich, seinen Alltag und sein Innerstes. Ein Gipfeltreffen der amüsantesten Art: In diesem Live-Mitschnitt aus dem Jahr 2001 lesen Reinhard Baumgart, Vicco von Bülow und Peter Wapnewski im Wechsel ausgewählte Einträge und erzählen die dramatische Geschichte um die Tagebücher.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.07.2008
Christoph Schmaus lobt diese Einlesung von Tagebuchtexten Thomas Manns von 1918 bis 1955 durch Reinhard Baumgart, Vicco von Bülow und Peter Wapnewski in höchsten Tönen. Weil sich der Dichter im Gegensatz zu seinem Werk, wo Ironie als literarisches Instrument eingesetzt ist, in seinen Tagebüchern so gänzlich ironiefrei zeigt und offen seine lebenspraktischen Unzulänglichkeiten, seine hypochondrische Ader und seine Überlegungen zur eigenen Größe festhält, wäre es für die Vorlesenden leicht gewesen, Mann durch einen "zweideutig-spöttischen Ton" lächerlich zu machen und vorzuführen, so der Rezensent. Stattdessen paare sich hier ein gewisses Amüsement angesichts der Widrigkeit des Alltags stets mit Empathie, die Vortragenden machten sich nicht zu "ironisierenden Ersatz-Erzählern", lobt Schmaus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2008
Reinhard Baumgart hatte die Texte ausgewählt, nicht mehr als etwa "ein Prozent" des Thomas Mannschen Gesamttagebuchwerks. Und vorgelesen wurden sie, im Jahr 2001, von Baumgart selbst, von Peter Wapnewski und Vicco von Bülow. "Großes Geschick" bescheinigt der Rezensent Wilfried von Bredow dieser Auswahl, die in fünf Kapitel unter Überschriften wie "Allein" oder "Familienszenen" oder "Die Hunde" geordnet ist - bewusst weggelassen sind alle Bemerkungen zu Literatur und Politik. Von Bredow konzentriert sich in seiner Rezension des Hörbuchs mehr auf die Mannschen Tagebücher selbst, betont ihre "Lakonie" und vergisst nicht zu erwähnen, dass Mann selbst sie für literarisch nicht sonderlich bedeutend hielt. Die Vorleser, alle schon jenseits der siebzig, hält er für bestens geeignet, da ihren Stimmen die "eigene Mühsal des Lebens" anzuhören sei.
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